Papstbiograf Weigel warnt Kardinal Hollerich vor Verwirrung bei Frauenordination

Papstbiograf Weigel warnt Kardinal Hollerich vor Verwirrung bei Frauenordination

Der bekannte katholische Publizist und Papstbiograf George Weigel hat in einem offenen Brief an Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ appelliert, keine Verwirrung bezüglich der Frage der Frauenordination zu stiften.

Hollerich hatte beim Bonner Symposium „Synodalität und Praedicate Evangelium“ erklärt, er könne sich auf Dauer nicht vorstellen, wie eine Kirche bestehen könne, wenn die Hälfte des Gottesvolkes keinen Zugang zum geweihten Dienst habe.

„Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden? Oder hat Christus selbst einen Fehler begangen, als er seine Kirche und ihr Weiheamt so strukturierte?“, fragte Weigel in seinem Brief, der am vergangenen Mittwoch auf dem amerikanischen Portal First Things erschien.

Er argumentierte, die Frage, wer zum Weiheamt zugelassen werden könne, sei nie als Nebensache kirchlicher Disziplin verstanden worden. Vielmehr berühre sie das Wesen des Weiheamtes selbst.

Hollerich hatte seine Aussagen im Rahmen des Bonner Symposiums kurze Zeit später in einem Interview mit Vatican News eingeschränkt. Der Akzent seiner Worte liege auf dem Begriff „lange Sicht“, erklärte er. Außerdem habe das Dikasterium für die Glaubenslehre inzwischen gesprochen. Dessen Urteil respektiere er und halte es für richtig, wie CNA Deutsch berichtete.

Gleichzeitig warnte der Erzbischof von Luxemburg vor einem überstürzten Schritt: Eine Frauenordination „würde heute die Kirche spalten“. Der Zugang zum Weiheamt könne „nur durch einen Konsensus der ganzen Kirche geschehen“.

Weigel widersprach Hollerich grundsätzlich. Auf die Sorge des Kardinals um die Zukunft der Kirche reagierte er mit einer Gegenfrage: Verrate diese Sorge nicht ein „klerikalisches Verständnis des Reiches Gottes“?

Wenn das Reich Gottes bereits in die Geschichte eingebrochen sei, könne „die Hälfte des Gottesvolkes“ nicht vom Leben im Heiligen Geist abgeschnitten sein. Maria, Katharina von Siena, Teresa von Ávila und Edith Stein, allesamt Patroninnen Europas, seien nicht vom Leben in Gott ausgeschlossen gewesen, weil Christus sie nicht zum Weiheamt berufen hatte, so Weigel.

Theologisch verwies Weigel auf das Brautverhältnis, wie es im Epheserbrief zum Ausdruck komme. Paulus beschreibe dort im fünften Kapitel die Beziehung Christi zur Kirche als ehelich: Christus liebe die Kirche wie ein Mann seine Frau. Der geweihte Priester verkörpere dieses Verhältnis.

„Erlauben Sie mir den Vorschlag, Eure Eminenz, dass die Hirten der Kirche es vermeiden sollten, weitere Verwirrung zu stiften (und damit auch das Leid, das durch diese Verwirrung verursacht wird), indem sie dem Volk Gottes helfen, die Geheimnisse des Glaubens in Liebe anzunehmen, anstatt den Eindruck zu erwecken, dass das, was durch die göttliche Offenbarung und die lehramtliche Lehre der Kirche (im Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis von 1994) festgelegt wurde, in Wirklichkeit nicht feststeht“, schloss Weigel, der Biograf von Papst Johannes Paul II., seinen Brief.

Lehramtlich hält die katholische Kirche daran fest, dass nur Männer zur Priesterweihe zugelassen werden können. Johannes Paul II. hielt in dem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis vom 22. Mai 1994 ausdrücklich fest: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ Da die Kirche das Weiheamt als ein einziges mit drei Stufen betrachtet, gilt diese Festlegung auch für Diakonat und Episkopat.

Werden Sie Teil der EWTN-Familie. Abonnieren Sie unseren Newsletter!

*Ich möchte zukünftig den wöchentlichen Newsletter von EWTN.TV mit Impulsen, Programmtips und Informationen rund um Ihren katholischen Fernsehsender per E-Mail empfangen. Diese Einwilligung kann am Ende jedes Newsletters widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.