Erzbischof Gänswein erinnert an Beziehung zwischen Benedikt XVI. und Franziskus
In einem Interview mit der italienischen Zeitung La Repubblica hat Erzbischof Georg Gänswein an die Beziehung zwischen dem emeritierten Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus erinnert, der vor genau einem Jahr, am 21. April 2025, starb. „Ja, es hat sich zweifellos ein Vertrauensverhältnis entwickelt, sowohl seitens Papst Franziskus als auch seitens des emeritierten Papstes“, sagte Gänswein am Montag.
Der aus Deutschland stammende Erzbischof war Privatsekretär zunächst von Kardinal Joseph Ratzinger, nach dessen Wahl zum Pontifex dann von Benedikt XVI. und bis zu dessen Tod am 31. Dezember 2022 der Privatsekretär des emeritierten Papstes. Gleichzeitig war er Präfekt des Päpstlichen Hauses auch unter Papst Franziskus, bevor ihn dieser von dem Amt freistellte und ihn 2023 ohne Aufgabe zurück nach Deutschland schickte. Schließlich bekam Gänswein im Jahr 2024 von Franziskus doch noch eine neue Aufgabe zugewiesen und wurde Nuntius im Baltikum.
Über die Zeit, in der Papst Benedikt XVI. im Ruhestand in einem kleinen vatikanischen Klostergebäude lebte, während Papst Franziskus im Amt war, sagte Gänswein: „Es gab einige Bemerkungen zum Verhalten und zu den Entscheidungen von Franziskus, aber es ist ganz normal, eine Entscheidung des Papstes zu kommentieren, das ist an sich nicht verboten. Es stimmt jedoch nicht, dass Benedikt gewissermaßen zum Beichtvater für den gesamten Flügel geworden ist, den Sie als konservativ bezeichnet haben. Davon habe ich nichts mitbekommen.“
Zu bestimmten kontroversen Handlungen von Papst Franziskus – etwa Äußerungen, die als besonders wohlwollend gegenüber Homosexuellen bewertet wurden, oder auch zur massiven Einschränkung der überlieferten Liturgie, die bis auf Papst Gregor den Großen und in noch frühere Zeiten zurückgeht – habe sich Benedikt indes nie geäußert, stellte Gänswein klar.
Benedikt und Franziskus seien „unterschiedlich“ gewesen, was „nichts Schlechtes“ sei, „denn die Biografie ist die Biografie, und auch der Werdegang in Bezug auf Bildung und Ausbildung ist unterschiedlich. Schließlich ist auch die gelebte Lebenserfahrung unterschiedlich. Diese Verschiedenheit ist eine Ergänzung, sie ist nichts, was einschränkt, sondern was bereichert.“
Aber: „Beide waren Zeugen der Auferstehung des Herrn. Bei aller Verschiedenheit ihrer Persönlichkeit war dieser Aspekt identisch, und er ist der wichtigste.“
