Sozialethiker Elmar Nass verlässt überraschend Kölner Hochschule für Katholische Theologie

Sozialethiker Elmar Nass verlässt überraschend Kölner Hochschule für Katholische Theologie

Der bekannte Sozialethiker und Priester Elmar Nass verlässt in diesem Jahr überraschend seinen Lehrstuhl an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT). Wie die Stiftung der Hochschule in der vergangenen Woche mitteilte, verabschiedet sich Nass zum Ende des Sommersemesters, wird aber bereits begonnene wissenschaftliche Arbeiten weiter betreuen.

Nass bleibe der KHKT auch in Zukunft „wissenschaftlich verbunden“, betonte die Stiftung. Unklar ist derzeit noch, welche neuen Aufgaben der Sozialethiker angehen wird, der sich zuletzt auch zu Themen wie China und Künstlicher Intelligenz profiliert hat. „Die genaue Ausgestaltung des weiteren Wirkens von Professor Nass wird im Laufe des Sommersemesters konkretisiert werden“, hieß es lediglich.

Seinerseits hielt Nass fest: „Mir ist diese Entscheidung sehr schwergefallen. Meine Arbeit als Wissenschaftler und Hochschullehrer an der KHKT hat mich ausgefüllt. Aber nach reiflicher Überlegung und Gebet habe ich mich entschlossen, mich wieder mehr auch anderen priesterlichen Aufgaben zuzuwenden.“

„Der Hochschule bleibe ich gerne verbunden, denn die Idee einer profilierten Theologie an einer kirchlichen Hochschule hat mich von Anfang an begeistert“, betonte er. „Dankbar bin ich, dass ich in den letzten Jahren meinen Beitrag dazu leisten konnte. Deshalb werde ich das auch zukünftig weiter tun. In den kommenden Monaten werden wir gemeinsam klären, in welcher Form dies konkret geschehen kann.“

Die KHKT war vor der Übernahme durch die Erzdiözese Köln und Kardinal Rainer Maria Woelki im Jahr 2020 als Philosophisch-Theologische Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin beheimatet. Derzeit gilt die KHKT als eine Einrichtung, die sich anders als viele theologische Fakultäten an staatlichen Universitäten dezidiert durch einen konservativeren und lehramtstreuen Kurs auszeichnet. In dieser Hinsicht ist sie mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. im österreichischen Heiligenkreuz vergleichbar, hat anders als diese aber ein Promotionsrecht.

Kontrovers diskutiert wurde in den letzten Jahren die Stellung der KHKT als Teil der Priesterausbildung. Das weiterhin gültige Preußenkonkordat hält fest: „Für die wissenschaftliche Vorbildung der Geistlichen bleiben die katholisch-theologischen Fakultäten an den Universitäten in Breslau, Bonn und Münster und an der Akademie in Braunsberg bestehen.“

Manche Beobachter, insbesondere jene, die mit theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten in Verbindung stehen, lesen diesen Passus so, als müssten alle Priesteramtskandidaten der Erzdiözese Köln zwingend an der staatlichen Universität in Bonn studieren. Andere sehen im Preußenkonkordat kein Verbot kirchlicher Hochschulen zur Priesterausbildung, sondern lediglich eine Verpflichtung des Staates, die theologischen Fakultäten in Breslau, Bonn und Münster bestehen zu lassen, ohne damit die Priesteramtskandidaten auch zum Studium an einer dieser Einrichtungen zu verpflichten.

Nass erklärte derweil: „Forschung und Lehre an der KHKT und die vielen Begegnungen gerade auch mit den Studenten und Kollegen behalte ich in bleibender guter Erinnerung. Gleichzeitig freue ich mich auf zukünftige neue Aufgaben im priesterlichen Dienst in vielfältiger Weise. Ich danke auch Herrn Kardinal Woelki für seinen Einsatz als Großkanzler der Hochschule und für das mir von ihm entgegengebrachte Vertrauen. Ich bin dankbar für den Respekt vor meiner persönlichen Entscheidung.“

Geboren 1966 und seit 1994 Priester, promovierte Nass 2006 in Bochum und schloss 2014 seine Habilitation in Aachen ab. Von 2013 bis 2020 lehrte er an der privaten Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften in Fürth, bevor er an die KHKT wechselte. Dort war er auch Prorektor.

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