Wiener Weihbischof Turnovszky fordert Klarnamenspflicht im Internet

Wiener Weihbischof Turnovszky fordert Klarnamenspflicht im Internet

Der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky hat eine gesetzliche Klarnamenspflicht im Internet für Österreich und die Europäische Union gefordert. In einem Gastkommentar für die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ schrieb der Bischof am Dienstag, eine solche Regelung würde die Qualität des öffentlichen Diskurses im Netz „drastisch verbessern“.

„Aus diesem Grund wünsche ich mir eine Klarnamensverpflichtung in Österreich und in der EU, die dazu führen würde, dass jeder Beitrag im Internet durch den realen Namen der veröffentlichenden Person gekennzeichnet ist. So ähnlich wie bei Leserbriefen“, schrieb Turnovszky.

Er begründete die Forderung mit der Bedeutung von Namen für den persönlichen Kontakt. „Der Name ist wie eine Brücke zwischen zwei Personen; ihn zu kennen, schafft vertiefte Begegnungsmöglichkeiten“, schrieb der Bischof. Anonymität im Netz schütze zwar vor Selbstoffenbarung, begünstige aber respektlose Kommunikation.

Nicknames wie „SunnyGirl92“, „TechWizard“ oder „Mondschein“ dienten dazu, die Identität zu verbergen oder einen bestimmten Persönlichkeitstyp vorzustellen, schrieb Turnovszky weiter. Aus dieser Deckung heraus werde „allzu oft“ auch „Schmutz mitgeworfen in Form von Vorwürfen, Herabwürdigungen, Beschimpfungen und Beleidigungen“.

„Ich bin für die Meinungsfreiheit, und deshalb soll man auch zu seiner Meinung stehen und es nicht nur dürfen“, so der Weihbischof. „Freilich sollte es weiterhin die Möglichkeit geben, sich im Internet anonym auszutauschen, aber nur auf speziell dafür eingerichteten Seiten, so ähnlich wie es im realen Leben anonyme Begegnungsmöglichkeiten gibt (von Babyklappe bis zu Anonymen Alkoholikern).“

Als theologische Grundlage verwies der Bischof auf die christliche Inkarnationslehre. Gerade für Menschen mit christlichem Hintergrund, „die daraus leben, dass das Wort Fleisch geworden ist“, sollte das Zeigen des eigenen Namens beim Kommunizieren ein Anliegen sein. „Und Zeugnisse aus der Deckung der Anonymität, ohne die Qualität einer Begegnung von Mensch zu Mensch, sind nutzlos.“

Zudem ordnete Turnovszky seinen Vorschlag in den Gedanken der Synodalität ein. Das Einstehen mit Namen und Identität entspreche einer Haltung, die die Kirche nicht nur für sich selbst, sondern auch als „Beitrag zum Wandel der Gesprächskultur in der Gesellschaft“ propagiere.

Bereits im September 2024 hatte Turnovszky in seiner wöchentlichen Kolumne in den „Niederösterreichischen Nachrichten“ (NÖN) eine Klarnamenpflicht für soziale Netzwerke gefordert.

Turnovszky ist seit 2008 Weihbischof der Erzdiözese Wien und seit 2012 Bischofsvikar für das Vikariat Nord (Unter dem Manhartsberg), das das Weinviertel und Marchfeld umfasst.

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