Kardinäle erwarten 2026 keine Lösung in Frage nach traditioneller lateinischer Messe

Kardinäle erwarten 2026 keine Lösung in Frage nach traditioneller lateinischer Messe

Mehrere Kardinäle und hochrangige Kurienbeamte rechnen in diesem Jahr nicht mehr mit einer Lösung in der Frage der überlieferten Form der Liturgie. Das berichtete The Pillar am vergangenen Freitag unter Berufung auf eigene anonyme Quellen im Vatikan.

Papst Leo XIV. habe dem Kardinalskollegium in einem Schreiben mitgeteilt, dass das außerordentliche Konsistorium am 26. und 27. Juni 2026 die Evangelisierung und das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium in den Mittelpunkt stellen solle. Damit werde die Liturgiefrage auf dem Kardinalstreffen nicht behandelt.

Nach Angaben des Portals sehen mehrere Kardinäle und Vatikanbeamte das eigentliche Problem im Dikasterium für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung nicht beim Präfekten Kardinal Arthur Roche, sondern beim Sekretär, Erzbischof Vittorio Viola.

„Roche ist ehrgeizig, aber er ist nicht so ideologisch. Er ist ein ‚Ja-Sager‘, er tat, was ihm aufgetragen wurde. Doch Violas Opposition gegen die überlieferte Messe ist ideologischer“, zitierte The Pillar einen Kardinal.

Ein hochrangiger Vatikanbeamter sagte dem Portal, Viola habe gemeinsam mit dem Laientheologen Andrea Grillo erheblich zur Ausarbeitung des Motuproprios Traditionis custodes und zu weiteren, nicht umgesetzten Restriktionsvorschlägen gegen die überlieferte Messe beigetragen.

Laut einem weiteren Bischof trage Viola zudem den Bischofsring von Erzbischof Annibale Bugnini, dem prägenden Architekten der nachkonziliaren Liturgiereform.

Eine stabilere Lösung, die Traditionis custodes zumindest teilweise zurücknehmen könnte, werde voraussichtlich erst nach der Neubesetzung der Dikasteriumsspitze ausgearbeitet, hieß es in dem Bericht. 

Ein Vatikanbeamter berichtete The Pillar zudem von einem Treffen im Jahr 2025, in dem Leo eingeräumt habe, wenig über die traditionellen Gemeinschaften oder die überlieferte Liturgie zu wissen. Zentrales Anliegen des Papstes sei nicht die Liturgie selbst, sondern die Frage, ob diese Gemeinschaften das Zweite Vatikanische Konzil akzeptierten.

In der Folge habe Leo unter anderem die Kardinäle Raymond Burke und Robert Sarah, Weihbischof Athanasius Schneider sowie P. John Berg FSSP, den Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Petrus, empfangen.

Bereits im März 2026 hatte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin den französischen Bischöfen vor ihrer Vollversammlung in Lourdes geschrieben, Papst Leo sei „besonders aufmerksam“ hinsichtlich der liturgischen Diskussion „im Kontext des Wachstums der Gemeinschaften, die dem Vetus Ordo verbunden sind“. „Es ist beunruhigend, dass in der Kirche eine schmerzliche Wunde weiter offen bleibt, die die Feier der Messe, das eigentliche Sakrament der Einheit, betrifft“, hieß es in dem Schreiben.

Das Thema hat in Frankreich zusätzliche Brisanz durch die Priesterbruderschaft St. Pius X. Sie kündigte im Februar 2026 an, am 1. Juli 2026 auch ohne päpstliches Mandat Bischöfe zu weihen. Nach Kirchenrecht zieht eine solche Weihe die Tatstrafe der Exkommunikation für den Weihenden und den Geweihten nach sich. Die Piusbruderschaft argumentiert demgegenüber mit einem Notstand in der Kirche. In einem solchen Fall sieht das Kirchenrecht keine Exkommunikation vor.

Die Regelung der überlieferten Form der Liturgie hat in den letzten zwei Jahrzehnten mehrfach drastische Änderungen erlebt. Papst Benedikt XVI. liberalisierte 2007 mit Summorum Pontificum die Feier der überlieferten Liturgie. Sein Nachfolger Franziskus schränkte diese Erlaubnis 2021 mit Traditionis custodes stark ein.

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