Abtprimas der Benediktiner: Alte Messe hat „ein Heimatrecht in der Kirche“
Der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder OSB, hat betont, die überlieferte Liturgie, wie sie bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in aller Welt gefeiert wurde, habe „ein Heimatrecht in der Kirche“. Damit ging er gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf den Konflikt zwischen der auf Papst Gregor den Großen und darüber hinaus zurückgehenden alten Weise des Gebets und der in den 1960er Jahren neu entwickelten Liturgie ein.
„Ich bin sehr gespannt, wie Papst Leo das Problem angehen wird“, sagte Abt Jeremias. „Nachdem Papst Benedikt hier Türen geöffnet hat, wird man die alte Form nicht mehr ganz hinausdrängen können. Wir haben Mitbrüder und auch Schwestern, die auf dieser Form des Betens und Messfeierns ihr Ordensleben aufgebaut haben. Das hat inzwischen auch ein Heimatrecht in der Kirche, und sollte wenigstens in einigen Bereichen zugelassen werden.“
Abt Jeremias war 1984 in die Erzabtei Sankt Ottilien in der Nähe von München eingetreten. 1992 wurde er zum Priester geweiht, im Jahr 2000 wurde er dann Erzabt. Ab 2012 war er Abtpräses der Ottilianer Kongregation, die neben Klöstern im deutschsprachigen Raum auch viele Gründungen in Afrika, Asien und Amerika umfasst. Zum Abtprimas gewählt wurde er 2024.
„Bei uns Benediktinern stehen traditionelle Liturgie und heutige Liturgie sehr versöhnt nebeneinander“, erläuterte der Abtprimas. „Wir haben im gesamten Orden etwa zehn Abteien, die im alten Ritus feiern, die meisten davon in Frankreich. Die gehören überwiegend zur Kongregation von Solesmes, wo aber die Mehrheit der Klöster im neuen Messbuch zuhause ist. Ausgehend von der Abtei von Fontgombault ist dann aber eine Gruppe von Klöstern entstanden, die nach dem alten Ritus feiern. Die sind in ihrer Kongregation voll integriert.“
„Daneben gibt es noch das Kloster Le Barroux mit seinen Tochtergründungen, das war anfangs lefebvrianisch orientiert“, fuhr er fort. „Nach den unerlaubten Bischofsweihen 1988 ist das Kloster in die volle Gemeinschaft mit Rom zurückgekehrt und untersteht direkt mir als Abtprimas. Und dann gibt es noch die Gemeinschaft in Norcia.“
„Wir begegnen einander alle mit Respekt, und als Abtprimas bin ich auch für diese Gemeinschaften Abtprimas, obwohl ich selber nur mit dem neuen Messbuch die Messe feiern kann“, unterstrich Abt Jeremias. „Das habe ich dann auch so getan, als ich in Fontgombault zur Feier des Konventamtes eingeladen war, und das wurde selbstverständlich akzeptiert.“
In Fontgombault und den von dort ausgegangen Gründungen gibt es faktisch ein liturgisches Gemisch, das nur dort existiert und historisch keine Grundlage hat. So benutzen die Mönche als Ausgangspunkt das Messbuch von 1962 – die sogenannte alte Messe –, „in das wir mit den erforderlichen Genehmigungen eine Reihe von Elementen aufgenommen haben, die dem ‚Ritus servandus‘ von 1965 und dem Messbuch von 1969 entlehnt sind, insbesondere ein allgemeines Gebet an Sonntagen und Festtagen, das gesungene ‚Per ipsum‘, das ‚Pater noster‘ und so weiter“, wie Abt Jean Pateau OSB von Fontgombault erläuterte.
„Wir verwenden auch den aktuellen Kalender für den Heiligenkalender“, führte Abt Jean aus. „Das Christkönigsfest wird am letzten Sonntag des liturgischen Jahres gefeiert. Schließlich wird viermal im Jahr – am Gründonnerstag, bei der Mitternachtsmesse und der Morgendämmerungsmesse an Weihnachten sowie bei der Osternacht – die Konventmesse gemäß der Konzelebrationsordnung von 1964 konzelebriert, deren Grundlage der Vetus Ordo ist.“
