„Nicht hoch hinaus, sondern unten am Boden“: Bischof Meier weiht vier Diakone
Der Augsburger Bischof Betram Meier hat am Samstag gleich vier junge Männer zu Diakonen geweiht, die in rund einem Jahr das Sakrament der Priesterweihe empfangen sollen. In seiner Predigt betonte der Bischof, der „Platz“ des Diakons sei „nicht hoch hinaus, sondern unten am Boden“.
Es sei „allemal glaubwürdiger, dass wir unsere eigene Zerbrechlichkeit eingestehen, als dass wir uns aufplustern und vermeintliche Stärke demonstrieren. Jeder soll wissen, wen er auch nach der Weihe vor sich hat: einen zerbrechlichen Menschen. Das trifft für einen Diakon ebenso zu wie für einen Priester oder Bischof.“
Während in vielen Weihejahrgängen die Männer auf dem Weg zum Priestertum schon nicht mehr ganz jung sind – entweder weil sie sogenannte Spätberufene sind oder wenigstens vor dem Eintritt in des Priesterseminar schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben –, sieht die Lage in Augsburg momentan anders aus. Die vier neuen Diakone sind allesamt jünger als 30 Jahre. Der älteste, Alexander Grotz, ist 29, Daniel Ulbrich ist 26 und jeweils 25 sind Jonas Eger und Fabian Hotter. Alle vier neugeweihten Diakone absolvierten ihr Studium der Philosophie bzw. Theologie in Augsburg und Rom.
Meier ging in der Predigt am Samstag auf das Bild der zerbrechlichen Gefäße ein, wie es der Völkerapostel Paulus formuliert hatte, „damit niemand auf die Idee kommt, wir seien diejenigen, von denen das Heil zu erwarten ist; wir werden die Sache der Kirche schon schaukeln. Gott bewahre uns vor dieser Hybris!“
„Er verschone uns vor den ‚Machern‘ in der Kirche, vor den Strategen, die alles im Griff haben wollen, am Ende Gott selbst“, mahnte der Bischof von Augsburg. „Das ist Vortäuschung falscher Tatsachen. Wer sind wir denn?“
Gleichzeitig betonte er, „bei aller Zerbrechlichkeit am Boden liegend sind wir Träger eines Schatzes: des Schatzes, der Jesus Christus heißt. Um ihn geht es. Er muss durchkommen. Er muss strahlen. Jesus und sein Evangelium zum Strahlen bringen: Das ist unsere Mission. Wir dienen nicht nur der ‚Sache Jesu‘, sondern ihm selbst.“
„Nichts brauchen wir heute weniger als religiöse Routiniers oder Funktionäre“, so Meier in deutlichen Worten. „Wir brauchen Schatzträger mit Herz!“
Im Verlauf der Predigt ging Meier auf die Bedeutung von Macht und Dienst ein. Man rede in der Kirche „allzu gern vom Dienen, so als gäbe es bei uns gar nichts anderes“. Dabei werde nicht bemerkt, „wie wir in der kirchlichen Praxis oft bewusst oder unbewusst Machtinteressen fromm kaschieren. Man muss nicht alles auf dem Synodalen Weg gutheißen, aber die Verwechslung von Dienst und Macht im kirchlichen Leben ist eine Versuchung, die der Reformprozess in Deutschland mit Recht aufgezeigt hat.“
Angesichts der Tatsache, dass Priester später in der Regel auch „Dienstvorgesetzte“ seien, sei Machtmissbrauch „fast vorprogrammiert“. Dagegen helfe nur „Transparenz, die Macht offen beim Namen nennt und richtig damit umzugehen weiß“.
So stellte der Bischof klar: „Jesus hat das Amt in der Kirche nicht eingesetzt, damit die einen über die anderen herrschen und schließlich noch ihre eigenen Machtgelüste und Herrschaftsallüren auslassen können, sondern damit die Kirche ihrer Sendung in der Welt treu bleibt. Die Leute sollen sehen: Mensch, es geht auch anders! Die Ersten lassen sich nicht bedienen, sondern sie dienen.“
