Mainzer Weihbischof: Es würde Deutschland „guttun, ein bisschen flexibler zu sein“
Der ursprünglich aus Indien stammende Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal OCarm hat mit Blick auf die Unterschiede zwischen Herkunftsland und neuer Heimat erklärt: „Vielleicht würde es uns in Deutschland guttun, ein bisschen flexibler zu sein und nicht immer nach Protokoll zu gehen.“
Er habe die Frage nach dem, was die Kirche in Deutschland von Indien lernen könne, schon „öfter gehört“, sagte Pottackal im Gespräch mit dem Podcast Himmelklar. „Tatsächlich sind beide Kulturen sehr unterschiedlich und wir können nicht einfach etwas von dort hier hereinpacken, weil jeweils eine andere Mentalität des Christentums entwickelt und gelebt wird. Kultur und Mentalität lassen sich nicht einfach so überstülpen.“
„Aber vielleicht könnten wir uns doch etwas abgucken von der Flexibilität, die in Indien so viel größer ist“, führte er aus. „Um zum Beispiel ein Pfarrfest auf die Beine zu stellen, brauchen wir in Deutschland mindestens fünf Sitzungen. In Indien schaffen sie das mit deutlich weniger Vorbereitung. Vorbereiten ist nicht schlecht und wir Deutschen brauchen das auch. Aber in Indien können sie einfach flexibler agieren.“
Angesprochen auf „Erfahrungen mit Diskriminierung oder Rassismus“ sagte Pottackal: „Wenn ich zivil unterwegs bin, ist es anders, als wenn ich klar als Priester oder Ordensmann erkennbar bin. 2004 bin ich nicht allein nach Deutschland gekommen, sondern wir waren zu dritt, und die Leute haben uns oft für indische Studenten gehalten, für Informatiker oder so etwas in der Richtung. Wir sind damals zum Beispiel öfter gefragt worden, ob wir denn Rindfleisch essen dürfen.“
„Das hat sich nach 2015/2016 geändert“, so der Weihbischof weiter. „Wenn wir jetzt als Gruppe junger Männer unterwegs waren, haben uns die Leute eher als Flüchtlinge wahrgenommen und gefragt, ob wir Schweinefleisch essen dürfen. Es gab 2015/16 in dieser Hinsicht einen Kulturwandel, das habe auch ich erfahren. Viele haben anders auf uns geschaut.“
Ab 2015 waren in Deutschland massenhaft Menschen aus vornehmlich islamisch geprägten Regionen oft illegal eingewandert, nämlich mehr als 2,1 Millionen. Seither blieb die Zahl der Einwanderer jährlich deutlich über einer Million. Ein Höchststand wurde 2022 erreicht, als mehr als 2,6 Millionen Menschen nach Deutschland kamen, vor allem auch aus der Ukraine, nachdem Russland einen Krieg begonnen hatte, der bis heute andauert.
Mit der Zeit, sagte Pottackal weiter, habe man „doch klar einen Unterschied gespürt. Das finde ich ein bisschen traurig, weil ich in meinem Leben zu 99,9 Prozent Gutes erlebt habe. Auf einmal ist da dieses kleine Bisschen anders. Ich möchte das nicht übertreiben, aber das gibt es, und es ist in den letzten zehn Jahren ein bisschen stärker geworden, das muss ich schon sagen.“
„Zum Beispiel gab es die Silvesternacht in Köln“, erläuterte er. „Wenn wir danach unter viele Menschen gekommen sind, haben wir schon gemerkt, dass wir kritisch beäugt wurden, dass die Leute ganz genau geguckt haben, wer wir sind.“
