Weltsynode nimmt in offiziellen Text Erfahrungsberichte von Homosexuellen auf

Weltsynode nimmt in offiziellen Text Erfahrungsberichte von Homosexuellen auf

Das vatikanische Synodensekretariat hat am Dienstag ein Arbeitsdokument veröffentlicht, das die Erfahrungsberichte zweier homosexueller Männer enthält, die mit anderen Männern zivil „verheiratet“ sind und aus ihrer eigenen Perspektive von den Spannungen und Verletzungen berichten, die ihr Glaubensleben innerhalb der Kirche geprägt hätten.

Es ist das erste Mal, dass ein Text des Vatikans Personen, die ihre Homosexualität ausleben, eine Stimme gibt. Eines dieser Zeugnisse stammt von einem homosexuellen Mann aus Portugal, der nach eigenen Angaben tief verletzt wurde, als sein geistlicher Begleiter ihm vorschlug, er hätte eine Frau heiraten können, um „Frieden zu finden“ und „seine Gaben in die Praxis umzusetzen“.

„Es war eine Art, einem anderen Menschen wehzutun, indem man ihm die Möglichkeit nahm, ganz geliebt zu werden, nur um einer gesellschaftlichen Erwartung zu entsprechen“, berichtete er laut dem Dokument. Von diesem Moment an begann die Person, ihr Gefühlsleben von ihrer Beziehung zu Gott zu trennen und es aus ihrem Gebet auszuschließen.

Das Dokument enthält auch das Zeugnis eines US-amerikanischen Mannes, der mit einem männlichen Migranten zivil „verheiratet“ und in seiner Pfarrei engagiert sei. „Meine Sexualität ist keine Perversion, keine Störung und keine Last; sie ist eine Gabe Gottes. Ich führe als offen homosexueller Katholik eine glückliche, gesunde und erfüllte Ehe“, heißt es im Text seines Zeugnisses.

Beide Zeugnisse sind in englischer Sprache verfasst und können auf der Webseite der Synode als separate Dokumente neben dem Abschlussbericht eingesehen werden.

Die Person aus den USA erinnerte an seine Zeit beim katholischen Apostolat „Courage“, das Menschen mit homosexuellen Neigungen unterstützt, die gemäß der Lehre der katholischen Kirche in Keuschheit leben wollen. Vertreter des Apostolats wurden am 6. Februar von Papst Leo XIV. im Vatikan empfangen.

Den Angaben der homosexuellen Person zufolge wandte er sich auf Anraten eines Therapeuten an diese Gruppe, der ihm vorschlug, sich mit seiner „Veranlagung“ auseinanderzusetzen. „Ich habe vergeblich versucht, mich mit einer katholischen Frau zu verabreden, aber unsere Beziehung scheiterte, als meine Familie in eine Krise geriet. Es war an der Zeit, ehrlich zu mir selbst, zu Gott und zu anderen zu sein“, erklärte er laut seinem im Dokument veröffentlichten Zeugnis.

Was die katholische Kirche über Homosexualität lehrt

Die katholische Lehre über Homosexualität ist in drei Artikeln des Katechismus der Katholischen Kirche zusammengefasst: 2357, 2358 und 2359.

In diesen Artikeln lehrt die Kirche, dass Homosexuelle „mit Respekt, Mitgefühl und Feingefühl aufgenommen werden müssen. Jegliche Form ungerechter Diskriminierung ihnen gegenüber ist zu vermeiden.“

Homosexualität als Neigung ist „objektiv ungeordnet“ und „stellt für die meisten von ihnen eine echte Prüfung dar“. Gestützt auf die Heilige Schrift hat die Tradition stets gelehrt, dass „homosexuelle Handlungen in sich ungeordnet sind“, „nicht aus einer echten affektiven und sexuellen Komplementarität hervorgehen“ und daher „in keinem Fall gutgeheißen werden können“.

„Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit berufen“ und „durch die Unterstützung einer selbstlosen Freundschaft, durch das Gebet und die sakramentale Gnade können und sollen sie sich schrittweise und entschlossen der christlichen Vollkommenheit nähern“.

Verurteilung von Konversionstherapien

Der 32-seitige Text, der ursprünglich auf Italienisch veröffentlicht wurde, ist ein vorläufiger Vorschlag, der eher eine methodologische als eine doktrinäre Neuausrichtung vorsieht und nun Papst Leo zur Prüfung vorgelegt wird.

Ausgehend von diesen Zeugnissen verurteilt die Arbeitsgruppe der Synode „die verheerenden Auswirkungen von reparativen Therapien, die darauf abzielen, die Heterosexualität wiederherzustellen“, sowie die „widersprüchlichen“ Ratschläge derjenigen, die eine Ehe „mit einer Frau empfehlen, um ‚Frieden zu finden‘“.

Darüber hinaus schlägt sie einen neuen Ansatz vor, der auf Zuhören und Dialog basiert, um „schwierigere doktrinäre, pastorale und ethische Fragen“ wie die der „gläubigen homosexuellen Menschen“ anzugehen.

Das Dokument geht vom sogenannten „Prinzip der Pastoralität“ aus, das betont, dass die christliche Verkündigung konkrete Menschen und ihre Lebenserfahrung berücksichtigen muss, und schlägt einen neuen Ansatz im Umgang mit einigen der heikelsten Fragen im Leben der Kirche vor.

Keine endgültigen Schlussfolgerungen

Der Text zielt nicht darauf ab, endgültige Lösungen anzubieten, sondern einen Weg der Unterscheidung zu eröffnen. Anstatt von „umstrittenen Fragen“ zu sprechen, schlägt er vor, sie als „aufkommende Fragen“ zu bezeichnen, verstanden als Erfahrungen, die die Kirche dazu anregen, neu darüber nachzudenken, wie das Evangelium in unterschiedlichen Kontexten gelebt und weitergegeben werden kann.

Das Dokument erkennt ausdrücklich die Schwierigkeit an, Lehre und Seelsorge in Einklang zu bringen. Es räumt ein, dass es „schwierig ist, die Festigkeit in der Lehre mit der pastoralen Offenheit zu verbinden“ und dass polarisierte Standpunkte sowohl persönliches Leid als auch Spannungen innerhalb der Kirche hervorrufen.

Es fügt hinzu, dass „polarisierte Positionen, die als unvereinbar gelten“, zu Leid und zu scheinbar unüberwindbaren Konflikten zwischen denen führen, die nicht verhandelbare Lehrprinzipien verteidigen, und denen, die die Bedeutung von Verständnis und barmherziger Liebe betonen.

In diesem Zusammenhang schlägt das Dokument einen Paradigmenwechsel vor und präsentiert eine dreistufige Methode im Rahmen dessen, was es als „Gespräch im Heiligen Geist“ bezeichnet: auf sich selbst hören, auf die Realität hören und die verschiedenen Wissensformen zusammenführen.

Es handelt sich um eine Dynamik des Zuhörens, die laut den Autoren des Berichts darauf abzielt, eine synodale Kirche zu fördern, in der das Volk Gottes aktiv an der Entscheidungsfindung teilnimmt.

Der Text unterstreicht zudem die Bedeutung der Aufmerksamkeit für diejenigen, die an den existenziellen, sozialen und kulturellen „Peripherien“ leben, und nennt konkrete Beispiele für „aufkommende Fragen“, wie etwa die Zunahme erwachsener Katechumenen in einigen Ortskirchen, die ein Überdenken pastoraler Strukturen erforderlich macht.

Neben den Zeugnissen der beiden homosexuellen Personen umfasst die Studiengruppe der Synode auch die Erfahrung der aktiven Gewaltlosigkeit – bezeugt durch eine serbische Jugendbewegung, die am 5. Oktober 2000 zum friedlichen Sturz von Präsident Slobodan Milosevic beitrug und sich dabei von den Christen der Urkirche inspirieren ließ.

Zur Auswahl der Bischöfe

Das Dokument mit dem Titel „Theologische und methodologische Kriterien der Synode für die gemeinsame Entscheidungsfindung in aufkommenden Fragen der Lehre, Seelsorge und Ethik“ fasst die Schlussfolgerungen eines der zehn Teams zusammen, die Papst Franziskus 2024 am Ende der ersten Sitzung der Synode über die Synodalität eingerichtet hatte. Diese Gruppen erhielten den Auftrag, aus synodaler Perspektive Fragen zu vertiefen, die für die Mission der Kirche relevant sind.

In diesem Rahmen veröffentlichte die Synode auch den Abschlussbericht einer weiteren Arbeitsgruppe, der Nummer 7, über die Kriterien für die Auswahl von Bischofskandidaten. Zu den geforderten Eigenschaften zählen laut dem Dokument insbesondere „synodale Kompetenzen: die Fähigkeit, Gemeinschaft aufzubauen, den Dialog zu führen, eine tiefe Kenntnis der lokalen Kulturen sowie die Bereitschaft, sich konstruktiv in diese zu integrieren“.

Der Bericht fordert darüber hinaus, dass die Dikasterien der römischen Kurie ihre Verfahren im Sinne einer stärkeren Synodalität überarbeiten, und schlägt Mechanismen zur regelmäßigen unabhängigen Bewertung der Auswahlprozesse vor.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

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