„Kein Widerspruch zum Katechismus“: BDSM-Stand auf der Kirchenmeile beim Katholikentag

„Kein Widerspruch zum Katechismus“: BDSM-Stand auf der Kirchenmeile beim Katholikentag

Auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg präsentiert sich vom 13. bis zum 17. Mai erneut der „Ökumenische Arbeitskreis BDSM und Christsein“ mit einem eigenen Stand auf der Kirchenmeile. Die Veranstalter verteidigten die Zulassung auf Anfrage von CNA Deutsch. In den Leitlinien der Gruppierung gebe es „keinen Widerspruch zum Katechismus“. Die Abkürzung BDSM steht für Bondage und Discipline, Dominanz und Submission sowie Sadomasochismus.

„Der AK BDSM und Christsein ist seit mehreren Katholikentagen auf der Kirchenmeile vertreten. Alle Organisationen mit einem explizit christlichen Bezug haben prinzipiell dieses Recht, sofern sie nicht verfassungsfeindlich oder gruppenbezogen menschenfeindlich sind“, erklärte Cosima Jagow-Duda, Abteilungsleiterin Presse und Marketing beim Katholikentag, gegenüber CNA Deutsch. Inhaltlich gehe es „um das christliche Selbstverständnis dieser Gruppe“.

Der Arbeitskreis ist im offiziellen Programmheft des Katholikentags unter der Standnummer MW-R-07 verzeichnet. Nach eigener Definition versteht sich die Gruppe als „Christen aus verschiedenen Konfessionen, die sich mit Erotik und Sexualität insbesondere im Bereich sadomasochistischer Sexualpräferenzen beschäftigen“.

Auf ihrer Internetseite schreibt sie, man wolle „dieses Thema aus der Tabu-Ecke holen. Wegen Gott müssen wir das Schlafzimmer nicht verdunkeln.“

Aus katholischer Sicht steht Sadomasochismus in fundamentalem Widerspruch zur kirchlichen Sexualmoral. Der Katechismus ordnet menschliche Sexualität auf die eheliche Liebe zwischen Mann und Frau hin und sieht in ihr die untrennbare Einheit von liebender Vereinigung und Offenheit für neues Leben.

Johannes Paul II. beschrieb in seinen Katechesen zur Theologie des Leibes Sexualität als gegenseitige Selbsthingabe zweier Personen, die einander beschenken und gerade nicht benutzen.

BDSM kehrt diese Logik um: Lust entsteht nach Selbstbeschreibung des Arbeitskreises aus einem „erotischen Machtgefälle“ und aus dem Zufügen oder Erleiden von Schmerz. Dass die Beteiligten einvernehmlich handeln, ändert nach katholischer Lehre nichts an der moralischen Bewertung.

Jagow-Duda verwies auf die im Programmheft formulierten Vorgaben für die Kirchenmeile. „Wir weisen ausdrücklich (gedrucktes Programmheft, Seite 58) darauf hin, dass auf der Kirchenmeile viele Meinungen vertreten sind und Diskurs erwünscht ist“, schrieb die Pressesprecherin. „Hier geht es um einen Stand, an dem Christ*innen über ihren Glauben ins Gespräch kommen.“

Die Bewerbungen liefen „entlang klarer Regeln und Vorgaben“. So würden etwa „keine rechtsextremen und demokratieverachtenden Gruppen“ zugelassen.

Im Programmheft heißt es zur Kirchenmeile: „Eine Vielfalt von Meinungen, die den Diskurs zum Zusammenhalt der Gesellschaft fördern und bereichern ist ausdrücklich erwünscht. Grenzen sind dort gesetzt, wo diskriminierende, rassistische oder antisemitische Überzeugungen vertreten werden, Äußerungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder eine ideologische Distanz zur freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung zu erwarten sind.“

Rund 300 Organisationen präsentieren sich auf der Kirchenmeile in Würzburg. Neben dem BDSM-Arbeitskreis sind auch weitere Gruppen vertreten, die in lehramtlicher Spannung zur katholischen Sexualmoral stehen. Dazu zählen das „Netzwerk katholischer Lesben“, die LGBT-Initiative „#OutInChurch“ und die „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“.

Im offiziellen Programm angekündigt ist unter anderem ein „Queer-Gottesdienst“ am 16. Mai 2026 unter dem Titel „Das Leben ist bunt – Vielfalt in der Kirche?!“ sowie eine Bibelwerkstatt „Bibel queer gelesen. Wieso G*TT Fan von Vielfalt ist“.

Neben diesen Gruppen sind auch solche vertreten, die die katholische Lehre zum Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod hochhalten. So präsentiert sich beispielsweise der Lebensrechtsverband Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) im Themenbereich „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ am Stand LF-A-26.

Im Umfeld des Katholikentags veranstaltet ALfA in Kooperation mit dem Verein katholischer deutscher Lehrerinnen (VkdL) und der Wochenzeitung „Die Tagespost“ mehrere eigene Programmpunkte zu Leihmutterschaft, Autonomie am Lebensende und dem Verhältnis von Kirche und Lebensrechtsbewegung.

„Der Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens gehört in die Mitte der Kirche“, erklärte die ALfA-Bundesvorsitzende Cornelia Kaminski in einer Mitteilung vom 8. Mai. Der Katholikentag sei „ein wichtiger Ort, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, unsere Arbeit vorzustellen und deutlich zu machen, an wie vielen Stellen Lebensrecht und Menschenwürde bedroht sind“.

Drei von ALfA und dem VkdL eingereichte Podiumsvorschläge zu Leihmutterschaft, Abtreibung und Sterbebegleitung wurden von der Katholikentagsleitung abgelehnt. Britta Baas, Pressesprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), führte die Absage gegenüber der „Tagespost“ auf „Kapazitätsgründe“ zurück. Zwei Drittel aller Bewerbungen hätten abgesagt werden müssen, da nur 40 Podienplätze zur Verfügung gestanden hätten.

Der 104. Deutsche Katholikentag steht unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ und umfasst rund 900 Einzelveranstaltungen an etwa 50 Orten in Würzburg. Erwartet werden nach Angaben der Veranstalter rund 20.000 Besucher.

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