Kardinal Müller: Neuer Text von Synoden-Studiengruppe ist „häretische Relativierung“
Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat den Abschlussbericht der Synoden-Studiengruppe 9 zur Homosexualität als „häretische Relativierung der natürlichen und sakramentalen Ehe“ zurückgewiesen. Am vergangenen Freitag veröffentlichte der ehemalige Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre einen schriftlichen Kommentar auf der Plattform Per Mariam.
„Die häretische Relativierung der natürlichen und sakramentalen Ehe wird offen begrüßt“, schrieb Müller. Dies werde „als erster Schritt zur Anerkennung der LGBT-Ideologie dargestellt, die nichts anderes vertritt als eine materialistische Sicht des Menschen ohne Gott, den Schöpfer, Erlöser und Vollender der Menschheit“.
Am 5. Mai hatte das vatikanische Synodensekretariat das Arbeitsdokument der Studiengruppe 9 veröffentlicht, wie CNA Deutsch berichtete. Der 32-seitige Text mit dem Titel „Theologische und methodologische Kriterien der Synode für die gemeinsame Entscheidungsfindung in aufkommenden Fragen der Lehre, Seelsorge und Ethik“ ist ursprünglich auf Italienisch verfasst und wird Papst Leo XIV. zur Prüfung vorgelegt.
Erstmals enthält ein Vatikan-Dokument die Erfahrungsberichte zweier homosexueller Männer, die mit anderen Männern zivil „verheiratet“ sind.
Einer der beiden Zeugen, ein US-Amerikaner, beschrieb seine Lebenssituation laut dem Dokument so: „Meine Sexualität ist keine Perversion, keine Störung und keine Last; sie ist eine Gabe Gottes. Ich führe als offen homosexueller Katholik eine glückliche, gesunde und erfüllte Ehe.“
Ausgehend von solchen Zeugnissen verurteilt die Arbeitsgruppe „die verheerenden Auswirkungen von reparativen Therapien, die darauf abzielen, die Heterosexualität wiederherzustellen“.
Müller wandte sich in seinem Kommentar mit dem Titel „Über Gottes Segen und die falschen Segnungen dieser Welt“ insbesondere gegen jede Form der Segnung homosexueller Verbindungen.
„In der Heiligen Schrift und in der gesamten Tradition der Kirche findet sich keinerlei Erwähnung einer Segnung für Menschen in ehebrecherischen Verbindungen, noch gibt es einen Hinweis darauf, dass Bischöfe befugt wären, betrügerische und blasphemische Segnungen anzuordnen oder zu erlauben“, schrieb er.
Die private oder paraliturgische Segnung gleichgeschlechtlicher und verschiedengeschlechtlicher Paare in „irregulären Beziehungen“ beruhe auf der „häretischen Leugnung der geoffenbarten Wahrheit, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat“, so der Kardinal weiter. Eine echte Segnung sei „ein Gebet der Kirche im Vertrauen auf Gottes Hilfe und Beistand für die Menschen“ und „keinesfalls eine Bestätigung eines gegen Gott in Sünde geführten Lebens“.
Mit der „Woke-Ideologie“ sei „eine zerstörerische Häresie und eine schismatische Spaltkraft in die katholische Kirche eingedrungen“, schrieb Müller. Sie entspreche im Umfang ihres Widerspruchs zur geoffenbarten Wahrheit Gottes dem Manichäismus oder dem Pelagianismus.
Die Gender-Ideologie stehe „in direktem Widerspruch zur christlichen Anthropologie“ sowie mit ihren „willkürlich erfundenen 60 bis 80 Geschlechtern“ auch zur biologischen Wissenschaft.
Im Katechismus der Katholischen Kirche ist die katholische Lehre zur Homosexualität festgehalten (Nr. 2357–2359). Homosexuelle Handlungen sind demnach „in sich nicht in Ordnung“ und „in keinem Fall zu billigen“. Homosexuell veranlagten Menschen ist nach Lehre der Kirche „mit Achtung, Mitleid und Takt“ zu begegnen. Mit dem im April 2024 veröffentlichten Dokument Dignitas infinita verurteilte das Dikasterium für die Glaubenslehre zudem die Gender-Theorie als Gefährdung der Menschenwürde.
Der Bericht der Studiengruppe 9 ziele nicht darauf ab, endgültige Lösungen anzubieten, sondern einen Weg der Unterscheidung zu eröffnen. Anstelle des Begriffs „umstrittene Fragen“ verwendet das Dokument die Bezeichnung „aufkommende Fragen“. Vorgeschlagen wird ein „Gespräch im Heiligen Geist“ mit einer dreistufigen Methode: auf sich selbst hören, auf die Realität hören und die verschiedenen Wissensformen zusammenführen.
Müllers Fazit fiel grundsätzlich aus: Die von Papst Franziskus 2024 eingerichteten Studiengruppen seien sich darin „fatal ähnlich“, dass sie zentrale Glaubenswahrheiten ignorierten und „ihr eigenes Haus eines bequemen und weltkonformen Christentums“ daneben errichteten.
Wahre Jünger Jesu suchten weder die Zustimmung der Menschen noch die „falschen Segnungen der Mächtigen, Prominenten und Einflussreichen dieser Welt“, schloss der Kardinal seinen Kommentar.
