Tod von Kardinal Tscherrig: Papst Leo würdigt „pflichtbewusste und mühevolle Arbeit“
Bei den Exsequien für den vor wenigen Tagen verstorbenen Schweizer Kardinal Emil Paul Tscherrig hat Papst Leo XIV. am Freitag dessen „oft unscheinbare, aber dennoch pflichtbewusste und mühevolle Arbeit“ gewürdigt, „die für den von ihm ausgeübten Dienst so typisch war“.
Als Vatikandiplomat „und mehr noch als Hirte der Kirche“ habe sich Tscherrig „viele Jahre lang mit Geduld und Selbstaufopferung dafür eingesetzt, die Völker, die ihm durch den Gehorsam anvertraut worden waren, in Eintracht zu vereinen und dabei auch die Hindernisse und Herausforderungen gemeistert, denen sich ein päpstlicher Repräsentant zum Wohl aller stellen muss“.
Auch seine „umfassende kirchliche und internationale Erfahrung, die von seiner Bereitschaft und seiner Fähigkeit zeugt, sich in seiner Hirtensorge an sehr unterschiedliche Umgebungen anzupassen“, hob Leo hervor, nämlich an „Orte und Völker, zu denen er im Namen des Heiligen Vaters gesandt wurde, um gemeinschaftliche Bindungen zwischen den Ortskirchen und dem Apostolischen Stuhl zu knüpfen sowie die Bande der Freundschaft zu stärken“.
Tscherrig wurde am 3. Februar 1947 als ältestes von acht Kindern einer Bergbauernfamilie in Unterems im Oberwallis geboren. Nach dem Besuch der Grundschule in Unterems wechselte er 1961 an das Kollegium Brig, wo er 1968 die Matura ablegte. Anschließend studierte er Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Sitten sowie an der Universität Fribourg, wo er 1974 das Lizenziat in Theologie erwarb.
Er empfing seine Priesterweihe am 11. April 1974 für das Bistum Sitten. Noch im selben Jahr begann Tscherrig ein Promotionsstudium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. In seiner Dissertation im Fach Kirchenrecht beschäftigte er sich mit dem Wesen des Ökumenischen Konzils und analysierte die Entwicklung dieses Begriffs von Trient bis zum Codex Iuris Canonici von 1917. Parallel dazu absolvierte er die Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie, wodurch er die Weichen für seine spätere Laufbahn im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls stellte.
Nach Abschluss seiner Studien trat Tscherrig am 1. April 1978 dann also in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Seine ersten Stationen führten ihn an die Nuntiaturen in Uganda, Südkorea und Bangladesch, wo er früh Erfahrungen in unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten sammelte.
Ab 1985 war er im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls in Rom tätig und unterstützte als Assistent des Päpstlichen Reisemarschalls die Planung der Auslandsreisen von Papst Johannes Paul II. Dieser ernannte ihn dann auch am 4. Mai 1996 zum Titularerzbischof von Voli und zum Apostolischen Nuntius in Burundi. Die Bischofsweihe empfing er am 27. Juni desselben Jahres im Petersdom. In Burundi war er in einer Phase tätig, die von politischen Spannungen und Gewalt geprägt war. Seine Aufgabe bestand darin, als Vermittler zwischen den Konfliktparteien zu wirken und die Präsenz des Heiligen Stuhls in einem von Krisen erschütterten Land zu sichern.
Weitere Stationen als Nuntius waren Trinidad und Tobago, Dominica, Jamaika, Grenada, Guyana, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen und die Bahamas ab dem Jahr 2000 – nicht jeder kleine Staat bekommt einen eigenen Vatikanbotschafter. Gleichzeitig war Tscherrig Apostolischer Delegat für die Antillen. Hinzu kamen 2001 noch die Aufgaben als Nuntius in Barbados, Antigua und Barbuda, Suriname sowie St. Kitts und Nevis.
2004 versetzte Papst Johannes Paul II. ihn nach Südkorea und übertrug ihm zusätzlich das Amt des Nuntius in der Mongolei. Papst Benedikt XVI. schickte Tscherrig in Personalunion 2008 nach Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen. 2012 ging es als Nuntius nach Argentinien, also in die Heimat des damaligen Kardinals Jorge Mario Bergoglio, der ein Jahr später zum Papst gewählt wurde.
Schließlich wurde Tscherrig 2017 Nuntius in Italien und in San Marino, bevor seine Amtszeit, die ihn in alle Welt führte, im Jahr 2024 offiziell endete.
Die Ernennung zum Kardinal am 30. September 2023 durch Papst Franziskus markierte den Höhepunkt von Tscherrigs kirchlicher Laufbahn – und kam für alle überraschend. Er ist erst der zehnte Schweizer in der Geschichte der katholischen Kirche, der diese Würde erhielt, und war neben Kardinal Kurt Koch der einzige Schweizer im Kardinalskollegium.