Nach seinem vom Vatikan geforderten Rücktritt richtet der frühere Bischof von Fréjus-Toulon, Dominique Rey, den Blick entschlossen nach vorn. Im Gespräch mit „Tribune Chrétienne” warb er für einen mutigen, missionarischen Katholizismus, der trotz innerkirchlicher Spannungen und persönlicher Prüfungen auf Christus vertraut.
Rey stand 25 Jahre lang an der Spitze der Diözese Fréjus-Toulon. Papst Franziskus nahm im November 2024 seinen Rücktritt an, nachdem es wiederholt Konflikte über seine Amtsführung und die Aufnahme traditionsverbundener Gemeinschaften gegeben hatte. Dem Schritt vorausgegangen waren Untersuchungen des Vatikans in den Jahren 2022 und 2023 sowie die Einsetzung eines Koadjutors.
Auf die Frage nach den Auswirkungen des Motuproprios Traditionis custodes, das liturgische Feiern im überlieferten Ritus massiv einschränkte, erklärte er, er sehe bei Papst Leo XIV. Vorsicht und Offenheit: „Ich denke, wir haben einen umsichtigen und aufgeschlossenen Papst. Er strebt nach Frieden und Einheit und hat noch keine bedeutende Entscheidung getroffen.“
Rey verwies darauf, dass der Papst die von Kardinal Burke im alten Ritus gefeierte Messe in Rom zugelassen habe. Viele warteten gespannt, „in welche Richtung die zukünftigen Entscheidungen gehen werden“.
Die politische Etikettierung seiner Person wies Rey zurück. Er betonte: „Ich habe keine besondere Zugehörigkeit, ich habe in meiner Diözese Menschen aus dem rechten und linken Spektrum aufgenommen und bin offen für Strömungen, sofern sie einen echten Dialog akzeptieren.“
Zu den Vorwürfen, man habe ihn wegen eines Treffens mit Marion Maréchal, die Nichte der Politikerin Marine Le Pen vom Rassemblement National, abgestempelt, sagte er: „Was viele vergessen zu erwähnen, ist, dass an der Diskussionsrunde auch ein sozialistischer Abgeordneter aus den Antillen teilgenommen hat.“
Zur Selbstverortung führte er an: „Wenn man sich das Leben Jesu ansieht, dann hat er es verstanden, zuzuhören und sich mit allen zu treffen: mit Pharisäern, Zöllnern und vielen anderen Ausgegrenzten.“
Mit Blick auf den missionarischen Auftrag zeigte sich Rey überzeugt, dass in Frankreich weiterhin großes Potenzial liege, „das jedoch freigesetzt werden muss“.
Die Säkularisierung zwinge dazu, „aus einem gewohnheitsmäßigen Christentum herauszutreten und Mut zu beweisen“. Überall dort, wo Gemeindeleben wachse, zeige sich, dass „der von Johannes Paul II. eingeflößte Geist der Neuevangelisierung nach wie vor lebendig ist“.
Auf persönliche und kirchliche Krisen angesprochen, betonte er, dass er sich stets daran gehalten habe, dass seine Mission nicht ihm gehöre: „Ich bin nicht ihr Eigentümer, sondern ihr demütiger Diener.“ Zugleich habe er „die Unterstützung vieler mir nahestehender Menschen“ erfahren, denn „man sagt ja, dass Prüfungen die wahren Freunde herausfiltern“.
Über die Zeit nach seinem Rücktritt sagte er, seine Mission habe „eine neue Perspektive bekommen“. Zwar trage er keine administrative Verantwortung mehr, aber er wolle weiterhin „missionarische Initiativen begleiten, Projekte zu fördern und Kooperationen zu unterstützen“.
Zu seinem aktuellen Leben in Paris erklärte Rey: „Ich wohne in einer Pariser Pfarrei, wo ich verschiedene Dienste verrichte, wodurch ich meine pastorale Verankerung bewahren kann.“ Er begleite Personen und Gruppen spirituell, predige bei Exerzitien und begleite Pilgerreisen.
