„Kardinal Fernández sieht Gespenster“ – mit diesen Worten begann der niederländische Weihbischof Rob Mutsaerts seinen scharf formulierten Blogbeitrag, in dem er die jüngste lehrmäßige Note des vatikanischen Glaubens-Dikasteriums kritisierte und vor einer Verengung der mariologischen Sprache warnte.
Der Beitrag erschien vor dem Hintergrund der lehrmäßigen Note Mater populi fidelis, die Anfang November vom Glaubensdikasterium veröffentlicht und von Papst Leo XIV. approbiert wurde. Argumentiert wurde, dass ein Ausdruck, der „viele und ständige Erklärungen erfordert, um einem abweichenden und irrigen Verständnis entgegenzuwirken“, nicht dem Glauben des Gottesvolkes diene.
Nach Informationen von ACI Prensa, der Partneragentur von CNA Deutsch, haben keine Mariologen an der Note mitgearbeitet.
In seinem Text reagierte Mutsaerts direkt auf die Erklärung des Dikasteriums, wonach es „immer unangebracht“ sei, Maria den Titel „Miterlöserin“ zu geben, weil dieser „die einzigartige Heilsvermittlung Christi“ verschleiern könne.
Mutsaerts widersprach dieser Sorge entschieden und bot eine theologische Begründung, die er durch zahlreiche historische Belege stützte. Zunächst beklagte der Weihbischof eine Kultur der übermäßigen Vorsicht: „Es überrascht mich immer wieder, dass man in der modernen Welt vor allem Angst vor Worten hat.“
Der Mensch scheine, so schreibt er, nicht mehr vor Sünde oder Torheit Angst zu haben, „sondern nur noch vor Missverständnissen“. Der Hinweis des Präfekten des Glaubens-Dikasteriums, der Titel „Miterlöserin“ könne zu Verwirrung führen, sei aus seiner Sicht unbegründet: „Kardinal Fernandez sieht Gespenster, wenn er sagt, dass es nicht mehr ratsam ist, Maria den Titel ‚Miterlöserin‘ zu geben.“
Mutsaerts betonte weiter, die römisch-katholische Theologie habe „immer einen außerordentlich starken Schwerpunkt auf Christus als den einzigen Erlöser gelegt“. Daher sei es unsinnig zu glauben, dass Maria Christus überschatten könnte.
Zusammenarbeit bedeute theologisch keine Konkurrenz. Er erläuterte diese Kooperation mit dem Hinweis, dass Gott bei der Menschwerdung „sich auch von menschlichem Gehorsam abhängig gemacht“ habe.
Der Begriff „Miterlöserin“ sei deshalb weder übertrieben noch gefährlich: „Der Begriff ‚Miterlöserin‘ ist nicht so schockierend, wie manche befürchten.“ Wenn Fernández Sorge habe, die Gläubigen könnten Maria mit Christus verwechseln, „dann liegt das Problem nicht bei Maria, sondern bei Fernández“.
Der Weihbischof führte aus, dass die Mitwirkung Marias an der Erlösung aus dem Grundsatz hervorgehe, dass Gott durch menschliche Vermittlung handelt. Dabei erklärte er den theologischen Begriff „Fiat“ – also Marias Zustimmung zur Menschwerdung – als „erstes und vielleicht deutlichstes Beispiel für diese übernatürliche Zusammenarbeit“.
Die lehrmäßige Entwicklung, die der Titel „Miterlöserin“ durchlaufen habe, bedeute keine Veränderung des Dogmas, sondern die Entfaltung einer impliziten Wahrheit. „Mir scheint, dass der Titel ‚Miterlöserin‘ keine Neuheit ist“, schrieb er, „sondern eine Schlussfolgerung aus dem, was immer geglaubt wurde“.
Mutsaerts stützte seine Position mit historischen Zeugnissen zahlreicher Heiliger und Päpste. Er erinnert daran, dass Bonaventura von Maria als jener Person sprach, die „mit Christus an der Erlösung arbeitete“.
Bernardin von Siena habe die „Zusammenarbeit“ der Jungfrau gelobt, wobei das lateinische „co-operatio“ ausdrücklich „mit“ und nicht „gleich“ bedeute. Auch bei den Kirchenvätern hätten keine Bedenken bestanden, Christus werde durch marianische Verehrung verdunkelt.
Dasselbe gelte für das päpstliche Lehramt. Leo XIII. habe Maria als diejenige bezeichnet, „durch die wir das Geheimnis der Erlösung empfangen haben“. Pius X. habe ihre besondere Vereinigung mit dem leidenden Christus hervorgehoben. Pius XI. habe den Ausdruck Co-Redemptrix sogar ausdrücklich verwendet.
Am Ende formulierte Mutsaerts vier konkrete Vorschläge: „1. Lehren Sie die Menschen die Bedeutung, anstatt Worte zu streichen. 2. Die Kontinuität der Kirche darf nicht von aktuellen Empfindlichkeiten abhängig gemacht werden. 3. Paradoxien und eine reichhaltige Sprache gehören zur katholischen Identität. 4. Marias Rolle ist keine Bedrohung für Christus, sondern vielmehr eine Bestätigung seiner Menschwerdung und seiner Liebe zur menschlichen Zusammenarbeit.“
