Ein nigerianischer Bischof hat mit Blick auf die Verfolgungen in seinem Land betont: „Sowohl Christen als auch Muslime werden getötet. Aber es sind nicht Christen, die Muslime töten.“
„Es sind dieselben Täter, die auch liberale Muslime töten, weil sie ihre Ideologie nicht akzeptieren“, erläuterte Bischof Wilfred Chikpa Anagbe CMF von Makurdi im Kölner Domradio. „Radikale fundamentalistische Muslime töten andere Muslime.“
„Im Bundesstaat Benue sind über 99 Prozent der 6,1 Millionen Einwohner Christen“, so d. „Die katholische Kirche allein macht etwa drei Viertel der Bevölkerung Nigerias aus. Wir haben dort keine Fulani, die dauerhaft leben. Die Angreifer kommen von außen, töten die Menschen, besetzen die Dörfer. Die Bevölkerung lebt jetzt in Flüchtlingslagern im eigenen Land.“
„Die Welt muss wissen, was wirklich geschieht“, unterstrich Anagbe. „Ich spreche nicht vom Hörensagen, sondern als jemand, der diese Ereignisse selbst miterlebt hat. Als Betroffener zusammen mit meinem Volk. Ich gebe keine Meinung wieder. Ich erlebe das täglich. Die Menschen und viele meiner Priester sind schwer traumatisiert.“
Er selbst habe in weniger als zehn Jahren „etwa 21 Pfarreien in meiner Diözese verloren. Kein Bischof wäre glücklich und würde die Hände in den Schoß legen, während so etwas geschieht. Mein Volk lebt in Flüchtlingslagern und Terroristen besetzen ihre Ortschaften und Dörfer. Mein Gebet ist, dass sie in ihre Häuser zurückkehren und wieder ein normales menschliches Leben führen können.“
„Wenn ich Ihnen sagen würde, ich hätte keine Angst, würde ich nicht die Wahrheit sagen“, ärumte der Bischof ein. „Aber wir haben einen Auftrag. Jesus betete im Garten Getsemani: ‚Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen; doch nicht mein Wille geschehe, sondern deiner.‘ Menschlich gesprochen war er voller Sorge, denn er hatte eine Mission zu erfüllen.“
„Ich habe ebenfalls eine Mission gegenüber den Menschen, die mir von Gott anvertraut wurden“, stellte Anagbe klar. „Diese Menschen werden jeden Tag getötet. Ich kann nicht schweigen. Sie haben keine Stimme, aber ich habe die Möglichkeit, zu sprechen. Diejenigen, die getötet, vergewaltigt, verlassen wurden, können nicht sprechen. Wenn ich schweigen würde, wäre das kein Zeugnis für den Herrn. Denn ein guter Hirte läuft nicht davon, wenn die Herde angegriffen wird. Er bleibt bei ihr.“
US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Wochen der nigerianischen Regierung militärische Maßnahmen angedroht, wenn sie das „Töten von Christen“ durch „islamistische Terroristen“ nicht zu beenden versuche.
Anagbe sagte diesbezüglich: „Keine vernünftige Regierung sollte schweigen und zuschauen, wie ihre Bürger abgeschlachtet werden. Die Regierung muss tun, was nötig ist, um Leben und Eigentum zu schützen.“
