Als „Aus für unbürokratische Hilfe“ hat Bischof Helmut Dieser, der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), das Ende der finanziellen Unterstützung aus Steuergeldern für den Fonds Sexueller Missbrauch charakterisiert.
„Der Fonds Sexueller Missbrauch ist gerade für Betroffene von sexuellem Missbrauch in nicht institutionellen oder nicht kirchlichen Kontexten oft der einzige Weg, notwendige Unterstützungsleistungen wie zum Beispiel Fortführung von Therapien zu erhalten“, erklärte der Aachener Bischof am Montag. „Das war auch für uns als Kirche ein wichtiger Weg.“
„Die Entscheidung, keine Gelder bereitzustellen, bedeutet für viele Tausende Betroffene das Aus für unbürokratische Hilfe“, fuhr Dieser fort. „Daher geht mein dringender Appell ans Parlament, hier vor der Abstimmung über das Haushaltsgesetz 2026 zügig nachzubessern.“
„Stellen Sie sicher, dass Betroffene verlässlich, unbürokratisch und ohne zusätzliche Belastungen Zugang zu den notwendigen Hilfen erhalten“, forderte Dieser die Bundestagsabgeordneten auf.
„Die Zeit“ hatte bereits Mitte November berichtet: „Im beschlossenen Bundeshaushalt für das kommende Jahr sind keine weiteren Gelder mehr für Missbrauchsopfer eingeplant. Der bestehende Fonds Sexueller Missbrauch wird nicht weitergeführt. Das ist das Ergebnis der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses.“
„Wegen bereits fehlender Mittel wurden zuletzt nur noch Anträge bearbeitet, die bis Mitte März eingereicht wurden“, hieß es. „Lediglich für Betroffene, die davor ihre Anträge gestellt hatten, ist eine Finanzierung noch bis 2028 gesichert.“
Kerstin Claus, die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), kommentierte damals: „Dass es nicht gelungen ist, den Fonds für das Haushaltsjahr 2026 finanziell abzusichern, ist für Betroffene ein Desaster. Der Staat verweigert damit Hilfe und Unterstützung genau dort, wo er am meisten versagt hat: beim Schutz der Kinder und Jugendlichen.“
„Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zum Erhalt des Fonds verpflichtet“, erinnerte Claus. „Jetzt erwarte ich, dass die die Abgeordneten gemeinsam mit der Bundesregierung eine kurzfristige Lösung finden, damit der Fonds Sexueller Missbrauch ab 2026 fortgeführt werden kann und damit die Zusage an die Betroffenen aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt wird.“
