Der aus Indien stammende Karmelit Joshy George Pottackal wird neuer Weihbischof in der Diözese Mainz. Pottackal ist seit 2004 in Deutschland und wird nun Bischof Peter Kohlgraf in besonderer Weise unterstützen. Die Bischofsweihe ist erst für den 15. März 2026 vorgesehen.
Pottackal erklärte gleich nach der Ernennung am Mittwochmittag, er hätte nie gedacht, „dass ich eines Tages die Berufung zum Weihbischof erhalte“. Stattdessen habe er als junger Ordensmann „ganz andere Träume“ gehabt, nämlich „missionarische Arbeit in Nordindien oder Afrika, später dann, hier angekommen, schlug bis vor kurzem noch mein Herz für die deutsche Auslandsseelsorge“.
„Ich bin kein Theoretiker mit Doktortitel!“, betonte der designierte Weihbischof. „Meine Predigten sind selten länger als fünf Minuten. Kann ich mit den Gaben, die mir Gott gegeben hat, das Amt des Weihbischofs ausfüllen und trotzdem authentisch bleiben? Obwohl oder gerade weil Fragen und Zweifel bleiben, vertraue ich auf Gott und seinen Weg für mich. Und so sage ich heute einmal mehr ja, ich lasse mich darauf ein.“
Pottackal verwies auf seine Erfahrungen im Bistum Mainz in den letzten rund 20 Jahren und sagte: „Es waren sehr intensive Jahre, in denen ich die vielfältigsten Aufgaben kennenlernen durfte. Nah an den Menschen in der Gemeinde, mit ihren Freuden und Sorgen zu sein und auch zu hören und zu verstehen, was ihnen wichtig ist, was für sie Glaube bedeutet, was sie an der Kirche schätzen, aber auch was sie an der Institution Kirche manchmal kritisch sehen, war mir immer ein Anliegen. Dankbar bin ich für die Kontakte zu allen Generationen der Gemeinde.“
Geboren am 30. April 1977 im indischen Bundesstaat Kerala, trat Pottackal nach seiner Schullaufbahn bei den Karmeliten ein. 2003 wurde er nach dem Studium in Indien zum Priester geweiht, bevor es für ihn nach Deutschland ging. Zunächst besuchte er die Sprachschule und das Pastoralseminar für die Ordenspriester an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster. Seit 2006 war der Priester im Bistum Mainz in der Seelsorge tätig.
Im Jahr 2022 wechselte Pottackal in das Bischöfliche Ordinariat, wo er als Personalreferent mit Schwerpunkt Priester wirkte. Derzeit lebt er im Karmeliterkloster in Mainz, das zu Fuß nur rund zehn Minuten vom Ordinariat entfernt in unmittelbarer Nähe zum Rheinufer liegt.
Bischof Kohlgraf ging am Mittwoch auf die indische Herkunft des neuen Weihbischofs ein. Es werde „gewiss Kommentare geben, die betonen, dass er nicht deutscher Herkunft ist, auch wenn er die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt“, so der Mainzer Bischof. „Gerade das macht diese Ernennung bemerkenswert. Ich halte sie für ein starkes und wichtiges Zeichen in unsere Zeit hinein.“
„In unserer weltweiten katholischen Kirche gibt es keine Uniformität“, stellte Kohlgraf klar. „Wir sind berufen, Einheit in Vielfalt zu leben – mit unterschiedlichen Glaubenswegen und kulturellen Hintergründen. Es gibt in dieser Kirche keine Fremden. Wer die Ernennung von Pater Joshy außergewöhnlich findet, möge sich daran erinnern, dass Bischof Prevost als US-Amerikaner Bischof in Peru war.“
Für die letzten beiden Mainzer Weihbischöfe war dieses Amt ein Sprungbrett zur Übernahme von Verantwortung in anderen Diözesen. Ulrich Neymeyr wurde 2014 zum Bischof von Erfurt, Udo Bentz 2023 zum Erzbischof von Paderborn ernannt.
Ein Weihbischof unterstützt den Diözesanbischof insbesondere bei der Spendung von Firmungen sowie bei der Visiation von Pfarreien. Im Bistum Mainz wurden 2024 weniger als 3.000 Firmungen gespendet, was 30 großen Zeremonien mit 100 Personen oder 100 kleineren Zeremonien mit 30 Personen entspricht. Die Anzahl der Pfarreien im Bistum Mainz betrug 2024 noch 279, soll aber in den nächsten Jahren auf nur 46 reduziert werden. Ihren Glauben praktizieren durch den regelmäßigen sonntäglichen Messbesuch nur 33.000 Menschen, was 5,5 Prozent aller Katholiken der Diözese entspricht.
