Bischof Wolfgang Ipolt hat beim Neujahrsempfang seiner Diözese Görlitz „christliches Brauchtum“ als „so etwas wie die Liturgie des Volksglaubens“ bezeichnet. Überhaupt sei dieses Brauchtum „in vielen Fällen einfach aus der offiziellen Liturgie herausgewachsen“.
Ipolt erklärte am Samstag, das Brauchtum als Ausdruck der Volksfrömmigkeit mache „den Glauben leibhaftiger und sinnenfälliger. Es spricht in den meisten Fällen das Gemüt, die Emotionen des Menschen an und ist ein Ort der Vermittlung auch von ethischen Haltungen, von Respekt und Menschenwürde, von Dankbarkeit und Erbarmen.“
So zeige sich, „dass die Pflege guter Bräuche oft eine Brücke zwischen der säkularen (scheinbar religionsfreien) Welt und dem ganz Anderen, dem Heiligen, ist“, sagte der Bischof der kleinsten deutschen Diözese, in der weniger als 30.000 Katholiken leben, wo aber der Anteil der sonntäglichen Messbesucher mit 14,4 Prozent am höchsten ist.
Ipolt zeigte sich überzeugt, es sei „ein wirklicher Dienst gläubiger Christen in den Kirchen an der Zivilgesellschaft durch das Wachhalten verschiedener guter Bräuche die normale Lebenswelt der Menschen für Gottes Gegenwart zu öffnen“.
Seiner Ansicht nach ist es „eine wichtige Aufgabe von uns als Kirchen in ökumenischer Gemeinsamkeit […], gute Bräuche zu pflegen, sie lebendig zu praktizieren und – wo es nötig ist – zu erklären, weil durch sie auf eine einfache und unaufdringliche Weise der Mensch für die Frage nach Gott, für etwas Heiliges, Transzendentes geöffnet wird“.
„Solche Brauchtumspraxis der Christen, aber auch des Staates (z. B. in der Gestaltung bestimmter Gedenktage oder in dem Stil der Kommunikation in einem Parlament) hält die Gesellschaft zusammen und schafft ein hohes Maß an Respekt und Empathie“, sagte er.
