Erich von Däniken ist gestorben. Vielen galt er als der Mann, der Götter zu Außerirdischen machte – tatsächlich suchte er Zeit seines Lebens nach dem Ursprung allen Seins und gelangte dabei zu einer eigenen, universellen Vorstellung von Gott.
„Ich bin in christlicher Tradition erzogen und nie ein gottloser Mensch geworden. Ich bin nach wie vor Mitglied der Katholischen Kirche und ich bete jeden Tag. Wenn ich nicht jeden Tag beten könnte, wäre ich nicht glücklich“, erklärte er 2018 in einem Interview mit dem Portal Watson.
Von Däniken wuchs in einer katholischen Umgebung auf. Der Besuch eines Jesuitengymnasiums mit intensivem Bibelstudium prägte seine frühe Bildung. Er übersetzte biblische Texte vom Griechischen ins Lateinische und anschließend ins Deutsche. Diese enge Vertrautheit mit der Heiligen Schrift führte zu kritischem Nachdenken.
Seine Zweifel waren nicht atheistisch motiviert: Wenn Gott allmächtig und allgegenwärtig ist, warum schildert die Bibel – insbesondere das Buch Ezechiel – göttliche Erscheinungen, die in Fahrzeugen herabkommen, mit Flügeln, Rädern und Metallen? „Der wahre Gott braucht keine Fahrzeuge. Das war der Anfang meiner Zweifel“, erklärte er offen.
Angetrieben wurde von Dänikens Denken von einer anthropologischen Beobachtung: Warum berichten mehr als 30 voneinander unabhängige Kulturen weltweit von erstaunlich ähnlichen Schöpfungsmythen? Warum beschreiben so viele Religionen Götter, die vom Himmel herabkommen und den Menschen nach ihrem Ebenbild erschaffen?
Für ihn war diese Übereinstimmung über kulturelle und geografische Grenzen hinweg kein Zufall, sondern ein Hinweis auf eine historische Realität, die verschiedene Völker jeweils in ihre eigene Sprache übersetzten.
Gott als „großer Geist des Universums“
Die zentrale philosophische Frage von Dänikens blieb stets die nach dem ersten Ursprung allen Seins – eine Frage, die die Philosophie seit Aristoteles beschäftigt. Selbst wenn Außerirdische die Menschheit besucht und beeinflusst hätten, so argumentierte er, müssten auch sie einen Ursprung haben.
„Die Ausserirdischen kommen von einem anderen Planeten, vielleicht sind sie dort auch die Nachkommen von Ausserirdischen. Wir können diese Reihe bis in alle Ewigkeit fortsetzen – aber irgendeinmal kommt der Anfang von allem. Und dort ist die göttliche Schöpfung“, betonte er.
In einem späteren Interview präzisierte er diesen Gedanken: „Nehmen wir einmal an, wir hätten Besuch von Wesen aus dem Weltall erhalten. Die nächste Frage wäre dann: Woher kommen sie? Wie sieht ihre Evolution aus? Sie kommen also aus einem anderen Sonnensystem. Man kann Milliarden von Jahren zurückgehen und gelangt schließlich an einen Ausgangspunkt, an dem man in Bezug auf Religion sagen würde: Hier haben wir Gott. Hier haben wir die Schöpfung.“
Von Dänikens Gottesverständnis unterschied sich letztlich indes deutlich von der katholischen Lehre. So griff er etwa die Lehre von der Erbsünde des Menschen ebenso an wie die Jungfrauengeburt.
