Kardinal Marx „unschlüssig“ zu Aussage von Papst Leo über Meinungsfreiheit

Kardinal Marx „unschlüssig“ zu Aussage von Papst Leo über Meinungsfreiheit

Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, hat sich „unschlüssig“ gezeigt zur Aussage von Papst Leo XIV. über die Meinungsfreiheit, „weil ich nichts damit anfangen kann“. Er hätte sich stattdessen eine konkretere Stellungnahme des Papstes gewünscht, so Marx am Montag bei einer Veranstaltung in Bonn, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete.

In seiner Ansprache beim Neujahrsempfang für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten hatte Leo am Freitag erklärt, es sei „bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist“.

Man müsse, so Kardinal Marx, „schon genauer hinschauen“, aber generell sei die Meinungsfreiheit nicht nur in Ländern wie China ein Problem. Die Aussage des Papstes indes könne man auf US-Präsident Donald Trump ebenso beziehen wie auf andere Situationen. Aus dem KNA-Bericht geht nicht hervor, ob sich Marx selbst konkreter äußerte, wo im Westen die Meinungsfreiheit ein Problem sei.

In Deutschland sorgte zuletzt etwa die Äußerung von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der seit 2017 in Schleswig-Holstein regiert. Günther hatte in einer Sendung im ZDF erklärt: „Wenn ich mir einen ‚Nius‘-Artikel angucke, mit dem ich irgendwas zu tun habe, kann ich nur sagen, da stimmt in der Regel nichts drin.“ Auf die Nachfrage von Moderator Markus Lanz, ob das ein Verbot oder Zensur bedeuten könnte, antwortete Günther mit ein schlichten „Ja“. Das Portal „Nius“ wurde vom ehemaligen Chefredakteur der Bild-Zeitung, Julian Reichelt, gegründet und bietet allgemein eher konservativeren Positionen eine Stimme.

Auch zur Entwicklung einer neuen Sprache, wie Papst Leo dies formuliert hatte, gibt es in Deutschland Beispiele. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtete etwa im Jahr 2023 unter Berufung auf eine eigene Umfrage: „Etwas mehr als die Hälfte der Hochschulen erklärt, sprachliche Vorschriften durch das wissenschaftliche Personal seien nicht zulässig, so zum Beispiel die Universitäten in Mannheim und Weimar. An fast jeder dritten der befragten Hochschulen aber gilt das genaue Gegenteil. Die FH Münster etwa schreibt: ‚Einige Lehrende fordern nach Auskunft unserer Gleichstellungsbeauftragten eine geschlechterneutrale Sprache ein.‘“

Papst Leo sagte am Freitag, aus der „Fehlentwicklung“ mit Blick auf die Meinungsfreiheit „ergeben sich leider weitere, die dazu führen, dass die Grundrechte des Menschen beschnitten werden, angefangen bei der Gewissensfreiheit“.

Posted in

Werden Sie Teil der EWTN-Familie. Abonnieren Sie unseren Newsletter!

*Ich möchte zukünftig den wöchentlichen Newsletter von EWTN.TV mit Impulsen, Programmtips und Informationen rund um Ihren katholischen Fernsehsender per E-Mail empfangen. Diese Einwilligung kann am Ende jedes Newsletters widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.