Homiletik-Professor: Predigt ist „rhetorisch eine Sonderform der Überzeugungsrede“
Der in der Schweiz lehrende Homiletik-Professor Pater Franziskus Knoll OP hat erklärt, für ihn sei die Predigt in der Messe „rhetorisch eine Sonderform der Überzeugungsrede“. Als solche könne sie auch theoretisch gelernt werden. „Tatsächlich zu predigen, lernt man aber nur durch Übung, Feedback und den Mut, sich auszuprobieren“, betonte Pater Franziskus.
„Eine gute Predigt hat drei Elemente“, erläuterte der Dominikaner im Gespräch mit kath.ch am Montag. Erstens brauche es „biblische Tiefe“. Das bedeute, „die Predigt sollte theologisch fundiert sein, aber nicht im Elfenbeinturm stecken bleiben“.
„Zweitens sollte sie einen Lebensbezug haben“, fuhr er fort. „Sie muss die Brücke schlagen zwischen dem biblischen Text und der Lebenswirklichkeit der Zuhörenden.“
„Drittens sollte eine Predigt authentisch sein“, ergänzte Pater Franziskus. „Die predigende Person predigt sich immer auch selbst und sollte hinter dem, was sie predigt, stehen – dafür brennen.“
Von besonderer Wichtigkeit sei der „Einstieg in eine Predigt“: „Wenn das Thema und das Grundgerüst stehen, sollte ich mir Gedanken um einen pfiffigen Einstieg machen, der die Lebenswirklichkeit der Gläubigen trifft und in die hinein die Botschaft verkündet wird.“
In der Praxis seien langweilige Predigten „kein Einzelfall“, räumte er ein. „Manchmal liegt es tatsächlich an einer zu trockenen, akademischen Auslegung, die den Bezug zum Leben vermissen lässt. Manchmal fehlt aber auch der mutige, persönliche Zugang – etwa wenn jemand nur vom Blatt abliest und keinen echten Kontakt zur Gemeinde sucht. Das kann an Unsicherheit liegen, aber auch an mangelnder Vorbereitung.“
„Insgesamt erscheint es mir wichtig, ob ich ein Thema habe, das mich selbst motiviert und von dem ich etwas rüber bringen oder anbieten möchte“, betonte der Dominikaner. „Wenn ich selbst nicht für das Thema brenne, muss ich mich nicht wundern, dass die Gottesdienstbesucher abschalten. Das spürt man an der Atmosphäre.“
Pater Franziskus stammt aus Deutschland und wurde 2008 nach dem Theologiestudium in Mainz von Kardinal Karl Lehmann für die Dominikaner zum Priester geweiht. Er lehrt seit mehreren Jahren an der Theologischen Hochschule Chur in der Schweiz.
