Pastoraltheologe Zulehner: Weg von „Priesterkirche“, hin zu „Taufberufungskirche“
Der emeritierte Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner hat gefordert, von einer „Priesterkirche“ wegzugehen, „die die Pfarrgemeinde vom Priester her denkt“. Stattdessen brauche es den Weg „hin zu einer ‚Taufberufungskirche‘, die vom Volk Gottes getragen wird“.
„Gläubige Gemeinden wählen etwa drei gemeindeerfahrene Personen, verheiratete oder unverheiratete Männer oder Frauen“, fuhr der 86-jährige Priester fort. „Diese erhalten eine Ausbildung und werden dazu in ein lokales Priesterteam geweiht. Die bereits tätigen ‚erfahrenen Katechetinnen und Katecheten‘ etwa im Amazonasgebiet wären solche ‚personae probatae‘. Als ‚Priesterteam‘ leiten sie dann die Gemeinden und stehen den sakramentalen Feiern vor.“
Die „Zukunft der Kirche“ lebe davon, „dass wir von einer Dienstleistungskirche hin zu einer Taufberufungskirche kommen, in der sich viele engagieren“, erläuterte er. „Das entspricht mehr dem, was das Zweite Vatikanum fordert, dass viele Gläubige ihre Berufung annehmen und sich aktiv in die Gemeinde einbringen. Einige aus diesen erfahrenen Gemeindemitgliedern werden dann geweiht.“
„So entstehen ‚Priester neuer Art‘“, sagte Zulehner am Montag gegenüber katholisch.de in einem ausführlichen Interview. „Es wird im wünschenswerten Fall ein schöpferisches Miteinander sein, das die traditionelle Form des Priesters und die neue Art von ehrenamtlichen Priestern miteinander verbindet. Beide bringen der Kirche Reichtum.“
„Aber es wird auf jeden Fall ein Umdenken für die bisherige Form akademisch ausgebildeter Priester brauchen“, zeigte er sich überzeugt. „Sie werden eine Art Minibischöfe für mehrere ehrenamtliche Priesterteams der neuen Art sein. Das ist vergleichbar mit dem, was manche leitende Priester schon jetzt machen, wenn sie für ihre Großpfarreien verantwortlich sind und ein oder mehrere Teams an Ehrenamtlichen begleiten.“
Zum Thema Frauenordination sagte Zulehner: „Den Zugang von Frauen zu sakramentalen Ämtern in der Kirche zu öffnen, geht leider zu langsam und hätte schon längst erledigt werden müssen. Es gibt also keine wirklich tragfähigen Gründe, Frauen den Zugang zur Priesterweihe auf Dauer zu verschließen. Wenn Frauen getauft werden, dann repräsentieren sie genauso wie Männer den auferstandenen Christus und nicht den männlichen Tischler von Nazareth. Amtsträger repräsentieren zudem auch die weibliche Kirche. Niemand folgert, dass man deshalb nur Frauen weihen dürfe.“
Die Kirche sieht das Priestertum als eine von Gott stammende Berufung, nicht als eine Auswahl durch die Gemeinde. Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es entsprechend (KKK 1578): „Niemand hat ein Recht darauf, das Sakrament der Weihe zu empfangen. Keiner maßt sich dieses Amt selbst an. Man muss dazu von Gott berufen sein. Wer Anzeichen wahrzunehmen glaubt, dass Gott ihn zum geweihten Dienst beruft, muß seinen Wunsch demütig der Autorität der Kirche unterbreiten, der die Verantwortung und das Recht zukommt, jemanden zum Empfang der Weihen zuzulassen. Wie jede Gnade kann auch dieses Sakrament nur als ein unverdientes Geschenk empfangen werden.“
Zur Frauenordination hatte Papst Johannes Paul II. unter Berufung auf die Heilige Schrift, die Tradition und das Lehramt der Kirche feierlich festgehalten, „daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“.
