Regina Einig, die Redakteurin der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“, hat den deutschen Synodalen Weg als „Irrweg“ bezeichnet. Zentrale Ziele, wie die systemische Aufarbeitung von Missbrauch, seien verfehlt worden, stattdessen habe die Polarisierung innerhalb der Kirche zugenommen.
Nach Abschluss der letzten Vollversammlung des Synodalen Weges zog Einig eine ernüchternde Bilanz. In einem Interview mit dem Sender K-TV äußerte sie am Dienstag die Einschätzung, dass die Veranstaltung ihren eigentlichen Hauptzweck verfehlt habe.
Obwohl das Präsidium des Synodalen Wegs bemüht gewesen sei, den Prozess als Erfolg darzustellen, zeige sich bei vielen Teilnehmern Unzufriedenheit. Einig erklärte: „Trotzdem merkte man diesen Irrweg.“
Dies komme auch in einer wissenschaftlichen Evaluation der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zum Ausdruck. Demnach sei ein großer Teil der Synodalen davon überzeugt, „dass die systemischen Ursachen des Missbrauchsskandals nicht angepackt wurden bzw. nicht angemessen aufgearbeitet wurden“.
Entgegen der Hoffnung auf eine Stärkung der Gemeinschaft sieht Einig die Gräben in der Kirche vertieft. Von verschiedenen Seiten gebe es die Rückmeldung: „Die Kirche ist polarisierter als vor sechs Jahren. Wir sind nicht enger geworden.“ Selbst Synodale, die progressive Positionen vertreten hätten, spürten laut Einig nun „eine große Traurigkeit, fast eine Depression“.
Die Journalistin bezeichnete die Kritik von Papst Franziskus, in Deutschland gebe es bereits eine evangelische Kirche, als zutreffend. Der Papst habe einen „wahren Kern getroffen“, denn die vom Synodalen Weg geforderten Reformen seien bei den Protestanten weitgehend verwirklicht. Durch den parlamentarischen Stil der Versammlungen seien zwangsläufig Parallelen zu Landessynoden entstanden.
Einig wies die Darstellung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, die Bischöfe stünden in großer Einheit zusammen, während sich die Kritiker in eine „Selbstisolierung“ manövriert hätten, deutlich zurück: „Die Einschätzung von Bischof Bätzing […] ist für mich ganz schwer nachvollziehbar, denn im Grunde spricht daraus eine sehr klerikalistische Sichtweise.“
