Vatikanbank lanciert eigene Aktienindizes mit ethischem Anspruch

Vatikanbank lanciert eigene Aktienindizes mit ethischem Anspruch

Das Institut für die Werke der Religion (IOR) – gemeinhin als Vatikanbank bekannt – hat gemeinsam mit dem Finanzdienstleister Morningstar zwei neue Aktienindizes aufgelegt. Diese sollen katholischen Anlegern als ethische Richtgröße dienen.

Obwohl die historische Wertentwicklung der Indizes überzeugt, wirft die Zusammensetzung der enthaltenen Großkonzerne bei genauerer Betrachtung durchaus Fragen zur Vereinbarkeit mit der kirchlichen Morallehre auf.

In Kooperation mit dem Finanzdienstleister Morningstar wurden der „Morningstar IOR US Catholic Principles Index“ und der „Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles Index“ lanciert.

Ziel dieser Indizes ist es, katholischen Investoren weltweit eine verlässliche Orientierungsgröße – eine sogenannte Benchmark – für Geldanlagen zu bieten, die mit der katholischen Soziallehre in Einklang stehen.

Giovanni Boscia, Vize-Generaldirektor des IOR, ordnete den Schritt in einer Pressemitteilung ein: „Mit der Einführung dieser beiden neuen Aktienindizes macht das IOR einen weiteren Schritt vorwärts in einem Prozess, bei dem es seit Jahren internationale Best Practices im Finanzbereich übernimmt.“ Dies geschehe „in strikter Übereinstimmung mit den Prinzipien der katholischen Soziallehre“.

Aufbau und Auswahlkriterien

Der Aufbau der Indizes folgt etablierten Marktstandards. Ausgewählt werden jeweils 50 mittel- und großkapitalisierte Unternehmen aus den USA beziehungsweise der Eurozone. Dabei erfolgt die Gewichtung der einzelnen Aktien im Index nach ihrer Marktkapitalisierung: Je höher der Börsenwert eines Unternehmens ist, desto stärker beeinflusst es die Kursentwicklung des gesamten Index.

Laut IOR durchlaufen die Unternehmen einen Filterprozess, der auf den Anlagerichtlinien des Instituts basiert. Dieser soll Geschäftsfelder ausschließen, die der katholischen Ethik widersprechen.

Als zentrale Kriterien nennt das IOR den Schutz des Lebens, soziale Verantwortung und die Bewahrung der Schöpfung. Robert Edwards, Managing Director bei Morningstar, betonte dazu: „Der transparente, regelbasierte Ansatz von Morningstar stellt sicher, dass die vom Kunden definierten Standards konsequent und objektiv angewendet werden.“

Spannungsfelder im Portfolio

Ein Blick auf die aktuellen Schwergewichte im US-Index offenbart jedoch deutliche Spannungsfelder zwischen den wirtschaftlichen Realitäten großer Technologiekonzerne und den moraltheologischen Positionen der Kirche. Zu den Top-Positionen des Index gehören Konzerne wie Meta (ehemals Facebook), Amazon, Nvidia, Tesla, Apple und JPMorgan Chase.

Recherchen zu den internen Richtlinien dieser Unternehmen zeigen, dass mehrere der hoch gewichteten Konzerne Praktiken fördern, die in Konflikt mit der kirchlichen Lehre stehen.

Unternehmen wie Apple, Meta und JPMorgan Chase erstatten ihren Mitarbeitern Reisekosten, wenn diese für eine Abtreibung in einen anderen US-Bundesstaat reisen müssen. JPMorgan Chase tätigte zudem in der Vergangenheit Spenden an die Organisation Planned Parenthood. Nvidia bewirbt zudem öffentlich die Finanzierung von Transgender-Operationen als „positives Lebensereignis“.

Aus rein ökonomischer Sicht profitieren die Indizes von der starken Gewichtung dieser Technologie- und Wachstumsunternehmen. Rückrechnungen über einen Zeitraum von zehn Jahren ergaben für den US-Index eine jährliche Rendite von rund 18 Prozent. Der auf die Eurozone fokussierte Index, der Titel wie ASML und die Deutsche Telekom enthält, kam im gleichen Modell auf rund 10,2 Prozent pro Jahr.

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