Mathias Bethke, der Leites des Katholische Büros Sachsen-Anhalt, hat das Akronym AfD mit den Worten „Angst, Feindschaft und Diskriminierung“ erklärt, denn dafür stehe die Partei. Er sehe nicht, wie man mit AfD-Vertretern in Sachsen-Anhalt ins Gespräch kommen könne.
„Die Partei gibt regelmäßig Pressemitteilungen heraus, in denen die Kirche nicht nur kritisiert, sondern bewusst angegriffen wird“, klagte Bethke im Gespräch mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (aktuelle Ausgabe). „In der Diktion erinnert mich das zum Teil an bestimmte Reden, wie man sie aus der Zeit der Weimarer Republik kennt. Ich finde, hier zählt zu unserer Glaubwürdigkeit, dass für uns gilt: Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Der Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD betont im Entwurf zum Wahlprogramm, das im April verabschiedet werden soll: „Gerade weil wir um die Bedeutung des Christentums wissen, greifen wir die Kirchensteuerkirchen an, denn die großen Kirchen schaden dem Glauben.“
Die AfD in Sachsen-Anhalt stellt klar: „Das Christentum ist nicht nur ein wesentlicher Teil unserer Europäischen Kultur, es bietet auch Halt im Glauben und jenseitige Orientierung. Wer sich zum Christentum und der christlichen Ethik bekennt, handelt nachhaltiger und leistet einen wertvollen Beitrag zu unserem Gemeinwesen. Dass wir die Privilegien der Kirchensteuerkirchen abschaffen wollen, bedeutet nicht, dass wir den christlichen Glauben ablehnen – im Gegenteil.“
Auf den Begriff der „Regenbogenideologie“ angesprochen, der im Entwurf zum Wahlprogramm Verwendung fand, sagte Bethke: „Gerade an diesen Aussagen zeigt sich der Einschnitt. Soweit ich weiß, hat es das so tatsächlich noch nicht in der Geschichte der Bundesrepublik gegeben: Eine Partei will einer Religionsgemeinschaft vorschreiben, was sie glauben darf und was nicht. Das ist im höchsten Maße übergriffig.“
Tatsächlich haben Kirchenvertreter in Deutschland in weiten Teilen beim Synodalen Weg eine komplette Neubewertung der überlieferten und biblisch begründeten Lehre zur Homosexualität gefordert. Im entsprechenden Handlungstext, der von mehr als zwei Dritteln der deutschen Bischöfe unterstützt wurde, hieß es etwa: „Da die homosexuelle Orientierung zum Menschen gehört, wie er*sie von Gott geschaffen wurde, ist sie ethisch nicht anders zu beurteilen als die heterosexuelle Orientierung.“
Die Lehre der Kirche, wie sie im Katechismus der Katholischen Kirche ausgedrückt ist, hält hingegen fest: „Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‚daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind‘. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.“
Direkt auf den ersten Seiten des Wahlprogramms fordert die AfD eine „Willkommenskultur für Kinder“, etwa durch „ein Baby-Begrüßungsgeld in Höhe von 2.000 Euro für die ersten beiden Kinder und von 4.000 Euro für jedes weitere Kind“.
Zum Umgang mit Abtreibungen heißt es: „Bereits in der Schwangerenkonfliktberatung ist den Frauen ein gesondertes schriftliches Verzeichnis der in ihrem konkreten Fall möglichen organisatorischen und finanziellen Unterstützungsleistungen einschließlich der jeweiligen Anlaufstelle zu übergeben.“
Und weiter: „Wir halten an dem gesellschaftlichen Kompromiss fest, wonach die Menschenrechte, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit, auch für ungeborenes Leben gelten. Eine Regelung des Schwangerschaftsabbruchs außerhalb des Strafgesetzbuchs mit allen dazugehörigen politischen Implikationen lehnen wir ab. Gesetzesinitiativen auf Bundesebene werden wir im Rahmen unserer Einflussmöglichkeiten, beispielsweise im Bundesrat, entgegentreten.“
Das Programm spricht auch die künstliche Befruchtung an und fordert finanzielle Unterstützung für derartige Programme. Die katholische Kirche lehnt solche Maßnahmen ausdrücklich ab, weil sie „den Geschlechtsakt vom Zeugungsakt“ trennen. „Der Akt, der die Existenz des Kindes begründet, ist dann kein Akt mehr, bei dem sich zwei Personen einander hingeben“, heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK).
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist für September geplant. Der langjährige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist im Januar zurückgetreten, damit sein Nachfolger, Sven Schulz, mit dem sogenannten „Amtsbonus“ in die Wahl gehen kann. Umfragen sehen die AfD jedoch derzeit als mit Abstand stärkste Kraft weit vorn. Eine Regierungsbildung an der AfD vorbei, wie dies 2024 in Thüringen der Fall war, würde so extrem kompliziert.
Bethke vom Katholischen Büro Sachsen-Anhalt räumte ein: „Man kann wohl schon von einem Volkspartei- Status sprechen. Sowohl bei der Europa- wie auch bei der Bundestagswahl war sie die stärkste Partei. Trotzdem warne ich davor, alleine auf die Umfragen zu schauen. Eine Wahl ist eben noch einmal etwas anderes.“
