Theologie in Deutschland immer unbeliebter: Studentenzahlen in sechs Jahren halbiert
Die Zahl der Studenten im katholisch-theologischen Vollstudium ist in Deutschland innerhalb von sechs Jahren massiv gesunken. Während staatliche Fakultäten mehr als die Hälfte ihrer Studenten verloren haben, verzeichnen einzelne kirchliche Hochschulen entgegen dem Trend leichte Zuwächse.
Wie der „KNA-Hintergrund“ am Donnerstag berichtete, ist die Zahl der angehenden Volltheologen an den staatlichen Fakultäten von 2.206 auf 1.043 zurückgegangen – ein Minus von mehr als 50 Prozent. An den kirchlichen Hochschulen fiel der Rückgang im gleichen Zeitraum von 469 auf 369 Studenten vergleichsweise moderater aus.
Das fünfjährige Vollstudium mit dem Abschluss Magister Theologiae umfasst 300 ECTS-Leistungspunkte sowie sprachliche Anforderungen in Latein, Griechisch und Hebräisch. Es gilt als normaler Ausbildungsweg für angehende Priester und ist Voraussetzung für leitende Berufe in der Seelsorge. Zu unterscheiden davon ist das Lehramtsstudium für angehende Religionslehrer, das ebenfalls an Theologischen Fakultäten durchgeführt wird, aber eben kein Vollstudium der Theologie ist.
Besonders betroffen von der Entwicklung sind die großen staatlichen Standorte. In Münster, dem bundesweit größten Ausbildungszentrum für Theologie, sank die Zahl der Studenten binnen sechs Jahren von 1.012 auf 444.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in München, wo die Zahl von 251 auf 102 zurückging, sowie in Bonn mit einem Rückgang von 215 auf 88. Auch die Fakultäten in Freiburg und Bochum verloren jeweils mehr als die Hälfte ihrer Studenten.
Ein gemischtes Bild zeichnet sich an den kirchlichen Hochschulen ab. Einrichtungen wie die von Jesuiten getragene Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen, die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt und Theologische Fakultät Trier verzeichneten Rückgänge von jeweils mehr als einem Drittel.
Gegenläufiger Trend an einzelnen Hochschulen
Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend gibt es jedoch Standorte mit stabilen oder steigenden Zahlen. An der staatlichen Universität Augsburg blieb die Zahl der Studenten mit 73 stabil.
Zuwächse melden manche spezifische kirchliche Einrichtungen: An der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT), der Nachfolgeeinrichtung der Ordenshochschule der Steyler Missionare, stieg die Zahl der Studenten von 46 auf 82. Auch die Hochschule der Pallottiner in Vallendar verzeichnete einen leichten Anstieg von 53 auf 60 Studenten.
Auswirkungen auf die Personalstruktur der Kirche
Der Rückgang im Vollstudium trifft die katholische Kirche in einer Phase des demografischen Umbruchs. Die Gesamtzahl der katholischen Priester in Deutschland sank von rund 20.000 im Jahr 1997 auf 11.417 im Jahr 2024. Die Zahl der Neupriester aus den Seminaren der 27 Bistümer liegt seit 2008 konstant unter 100 pro Jahr, und zuletzt bei weniger als 30.
Gleichzeitig verabschieden sich geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand. Die Altersstruktur der Pfarrerschaft weist eine ausgeprägte „Pilzform“ auf, bei der die stärksten Gruppen bereits älter als 58 Jahre sind. Im Erzbistum Köln etwa waren 2017 nur acht Prozent der Priester älter als 65 Jahre. Für das Jahr 2030 wird prognostiziert, dass dieser Anteil auf 47 Prozent steigen wird.
Diese Entwicklung verändert das Verhältnis von Gläubigen zu Seelsorgern maßgeblich. Während 1969 rechnerisch 992 Katholiken auf einen Priester kamen, waren es 2023 bereits 1.750. Betrachtet man nur die aktiven Pfarrseelsorger, liegt die Quote inzwischen bei 3.500 Katholiken. Der Anteil der Priester, die tatsächlich in der Pfarrseelsorge tätig sind, sank zwischen 1990 und 2019 von 58,2 auf 49,2 Prozent.
