Bischof Meier nach Syrien-Reise: Lage der Christen hat sich „nicht wesentlich verändert“
Bischof Bertram Meier hat nach seiner Syrien-Reise erklärt, die Lage der Christen in dem Land habe sich insgesamt „offensichtlich nicht wesentlich verändert, auch wenn der frühere gute Zugang zum Regierungsapparat nicht mehr besteht“.
Generell gilt die Lage in Syrien mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Baschar al-Assad besonders für Christen als prekär, nachdem sie zuvor weitgehend unbehelligt ihren Glauben praktizieren konnten. Der syrische Staat wird derzeit angeführt von Ahmed al-Scharaa, der viele Jahre gesuchter Terrorist war, aber nun von Staats- und Regierungschefs in aller Welt empfangen oder besucht wird.
„Die Rechte der Kirchen zur Selbstorganisation, die vor allem die Bereiche des Ehe-, Familien- und Erbrechts betreffen, werden von den neuen Machthabern – bisher – nicht angefochten und scheinen durch die im Islam historisch verwurzelten Vorstellungen geschützt zu sein“, hielt Meier fest. Das Leben werde jedoch erschwert durch die Unsicherheit darüber, was die Zukunft bringt.
Meier, der Bischof von Augsburg, ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Kommission Weltkirche in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) immer wieder in verschiedenen Regionen zu Gast, um sich ein Bild der Lage der Kirche vor Ort zu machen. Über den Libanon war er in der vergangenen Woche auf dem Landweg für einige Tage nach Syrien eingereist.
„Manche sehen Anzeichen für eine schleichende Islamisierung, etwa bei Bekleidungsvorschriften, durch die Trennung von Männern und Frauen, wie sie in Syrien bisher nicht bekannt war, beim Ausschank von Alkohol oder in der einseitigen Belegung des öffentlichen Raums durch den sunnitischen Islam“, fuhr der Bischof fort.
„Dass diese Bewegungen bislang nicht oder nicht unmittelbar von der Regierung ausgehen, sondern Teile der Gesellschaft und untergeordnete staatliche Stellen aktiv werden, macht die Sache nicht harmlos“, betonte er. „Denn hier verändert sich das gesellschaftliche Klima und Minderheiten fühlen sich zunehmend unwillkommen, bedrängt und ausgegrenzt.“
Zusammenfassend sagte Meier: „Das Hauptziel meines Besuchs in Syrien bestand darin, den Christen vor Ort die Solidarität der Kirche in Deutschland zu versichern: Wir bleiben an ihrer Seite, woher immer der politische Wind weht und wie schwierig die Situation auch ist. Für die syrischen Christen ist es wichtig, dass sie in unruhigen Zeiten international nicht vergessen werden.“