Bischof Manfred Scheuer von Linz hat kurz vor Beginn der Fastenzeit in seinem „Bischofswort zur Österlichen Bußzeit 2026“ für eine bessere Kommunikation geworben.
„Gerade die Fastenzeit ist eine bewusst gesetzte Zeit der Unterbrechung des Alltäglichen“, so Scheuer. „Sie kann dafür genutzt werden, sich um echte Begegnungen und um die Gesprächsfähigkeit zu bemühen. Wer innehält und sich unterbrechen lässt, gewinnt die oft nötige Distanz zu sich selbst und dadurch mehr Klarheit.“
„Es tut gut, sich seiner eigenen Kommunikationsgewohnheiten und Eigenarten, seiner Stärken und Schwächen zu vergewissern“, betonte er, um dann die Fragen in den Raum zu stellen: „Höre ich aufmerksam zu? Welche Muster und Vorurteile finden sich in mir selbst? Welche Emotionen kommen bei mir hoch? Wie und wo reden wir (noch) miteinander? Wie bleiben wir berührbar und persönlich ansprechbar? Welche Haltungen sind da förderlich?“
„Zeit haben und zuhören können ist paradoxerweise gerade im Zeitalter technisch perfekter, hochmoderner Kommunikation so dringlich wie nie zuvor!“, hob Scheuer hervor.
Der Friede erwachse „aus einem Klima des guten Umgangs miteinander“, fuhr er fort. „Jede und jeder hat bereits erfahren, wie vorteilhaft es sich auswirkt, wenn es in einem Gespräch, einer Sitzung, einer Besprechung Leute gibt, die zunächst einmal das Gute und Positive am anderen, an einem Sachverhalt, an einer Herausforderung sehen. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik üben und Widerstand anmelden. Im Zentrum sollte aber gerade dabei die Wertschätzung der anderen Person stehen – ein grundlegendes Wohlwollen für sie und ihre Anliegen sowie die Achtung ihrer Würde. Dankbarkeit und Lob wirken Wunder.“
Auch das Gebet sei in diesem Zusammenhang von Bedeutung: „Ein Ort in der Stadt, im Dorf, wo alle Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig und stellvertretend in ein fürbittendes Gebet eingeschlossen werden, die Lebenden und die Toten, – das ist ein Segen. Sag es als Mutter, als Vater deinem Kind: Ich bete für dich! Tun wir es füreinander, gerade dort, wo es Spannungen gibt, wo Beziehungen brüchig werden, wo Worte nichts mehr ausrichten. Gottes Barmherzigkeit ist größer als unsere Ratlosigkeit und Trauer.“
Schließlich gelte es, dem Segen Raum zu geben, wie der Bischof von Linz es ausdrückte. „Segnen kann verstanden werden als ein gleichsam schöpferisches Wahrnehmen und Benennen des Guten. Wer blüht nicht auf, wenn er oder sie gelobt wird? Erfahren zu dürfen, willkommen und erwünscht zu sein – welch ein Glück! Nichts tut so gut wie aufrichtige Anerkennung und echte Wertschätzung. Vielleicht zeigt sich die ganze Wahrheit und Schönheit eines Menschen überhaupt erst in der Anerkennung – und dann in der Liebe.“
Den Gläubigen seiner Diözese wünschte Scheuer eine Fastenzeit, die „von Begegnungen geprägt“ ist, in der „wir gut mit- und übereinander reden, die Wachstum und Zuversicht bewirken und somit eine Ahnung von Auferstehung ermöglichen“ kann.
