Augsburger Bischof Meier: „Der Aschermittwoch ist eine Provokation“
Mit deutlichen Worten hat der Augsburger Bischof Bertram Meier festgehalten: „Der Aschermittwoch ist eine Provokation.“ Meier predigte beim „Aschermittwoch der Kunstschaffenden“ im Augsburger Dom.
„Die uralte Aschermittwochsbotschaft ist – im Freudschen Sinne – kränkend und schmerzhaft, jedes Jahr aufs Neue“, sagte der Bischof, der die Worte „Gedenke, o Mensch, dass Du Staub bist, und zum Staub zurückkehren wirst“ zitierte, die bei der Auflegung der Asche gesprochen werden. „Gleichzeitig vermag sie jedoch äußerst heilsam zu wirken, weil sie uns mit unserer unausweichlichen Vergänglichkeit konfrontiert und damit der Notwendigkeit des Innehaltens und der Überprüfung unseres Lebensweges.“
Weil die Menschen dazu neigten, den Ruf zur Selbstbesinnung zu überhören, „brauchen wir ihn mindestens einmal im Jahr! Denn nur so kann ein Lernprozess in Gang gesetzt werden; nur so werden wir aufgefordert, uns Rechenschaft zu geben über eigenes und fremdes Tun.“
„Wem alles durchgeht und wer von einer applausumtosten Bühne zur nächsten schreitet, der verliert schnell die Bodenhaftung“, so Meier. „Je höher er steigt, desto begrenzter wird sein Horizont und umso gefährlicher wird er für seine Mitmenschen. Beispiele zeigen dies heute zur Genüge. Das gleiche gilt für jene, die sich bewusst oder aufgrund unglücklicher Umstände in die Isolation zurückziehen. Nicht wenige unter ihnen radikalisieren sich unbemerkt vom sozialen Umfeld und ihr Coming-out ist schließlich der Tag, an dem sie sich und viele andere Menschen in den Tod reißen.“
Vor diesem Hintergrund rief Meier die Gläubigen dazu auf, in der Fastenzeit wieder ernst zu nehmen, „was uns als Geschöpfe, die auf soziales Miteinander hin geschaffen wurden und nur im sozialen Kontakt seelisch und geistig gesund bleiben können, mit den Worten des heiligen Paulus angeboten ist: ‚Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!‘“
„Kein noch so ausgefeiltes Wellness-Angebot und Körperpeeling vermag uns – zutiefst fehlbaren Wesen – den rechten Umgang mit Schuld und Scham zu lehren!“, mahnte der Bischof von Augsburg. „Alles, was uns belastet, braucht einen geschützten Raum, in dem wir uns der inneren Reinigung, der Läuterung unserer Motive und Absichten sowie der rückhaltlosen Reflexion über unser Verhalten unterziehen. Jede und jeder unter uns, der darin schon etwas Übung entwickelt hat, wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass Kunst jeder Art, ein kalligrafisches Blatt, ein Musikstück oder das Betrachten eines Bildes, einer Skulptur dafür sehr hilfreich sein können.“
Meier schloss mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie sich in den kommenden sieben Wochen der Fastenzeit Zeiten und Räume gönnen, in denen Sie ganz unabhängig vom Schielen auf die Öffentlichkeit oder darauf, ob Sie von den Menschen ‚gesehen werden‘, wie es im Evangelium hieß, bei sich selbst einkehren, um die heilende und heilsnotwendige Gegenwart des Schöpfers, des ‚Vaters, der im Verborgenen ist‘, zu erahnen und aus dieser Erfahrung heraus Ihrem Leben eine, vielleicht andere Richtung zu geben.“
