Papst Leo: Fastenzeit ist „auch heute eine besondere Zeit der Gemeinschaft“
Der Ansicht von Papst Leo XIV. nach ist die Fastenzeit „auch heute eine besondere Zeit der Gemeinschaft“. Der Pontifex predigte am Mittwochnachmittag zum Beginn der Fastenzeit, mit der sich Katholiken auf das Osterfest vorbereiten.
„Wir wissen, dass es immer schwieriger wird, Menschen zusammenzubringen und sich als Volk wahrzunehmen, nicht auf nationalistische und aggressive Weise, sondern in einer Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz findet“, sagte Leo. „Hier entsteht sogar ein Volk, das sich seiner Sünden bewusst ist, das also erkennt, dass das Böse nicht von vermeintlichen Feinden kommt, sondern die Herzen berührt hat, dass es Teil des eigenen Lebens ist und dass man sich ihm tapfer stellen und Verantwortung übernehmen muss.“
So stehe die Kirche „auch prophetisch für Gemeinschaften, die sich zu ihren Sünden bekennen“, erläuterte der Papst. „Gewiss, Sünde ist etwas persönliches, aber sie entsteht in den realen und virtuellen Umgebungen, in denen wir uns bewegen, in den Verhaltensweisen, mit denen wir uns gegenseitig beeinflussen, nicht selten innerhalb regelrechter „Strukturen der Sünde” wirtschaftlicher, kultureller, politischer und sogar religiöser Art.“
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Mehr Informationen„Der Götzenverehrung den lebendigen Gott entgegenzusetzen, bedeutet – wie uns die Heilige Schrift lehrt –, die Freiheit zu wagen und sie durch einen Exodus, auf einem Weg, wiederzufinden“, fuhr er fort. „Nicht mehr gelähmt, starr, sicher in den eigenen Positionen, sondern versammelt, um sich zu bewegen und zu verändern. Wie selten findet man Erwachsene, die Reue zeigen, Menschen, Unternehmen und Institutionen, die zugeben, dass sie Fehler gemacht haben!“
Es sei „kein Zufall“, zeigte sich Papst Leo überzeugt, „dass viele junge Menschen, auch in säkularisierten Umfeldern, sich mehr als früher der Bedeutung dieses Tages, des Aschermittwochs, bewusst sind. Denn gerade sie, die jungen Menschen, erkennen deutlich, dass eine gerechtere Lebensweise möglich ist und dass es Verantwortlichkeiten für das gibt, was in der Kirche und in der Welt nicht in Ordnung ist. Man muss also dort beginnen, wo es möglich ist, und mit denen, die mitmachen.“
„Nehmen wir also die missionarische Dimension der Fastenzeit wahr, nicht etwa, um uns von der Arbeit an uns selbst abzulenken, sondern um sie für viele unruhige und gutwillige Menschen zu öffnen, die nach Wegen suchen, ihr Leben in der Perspektive des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit wirklich zu erneuern“, forderte der Pontifex.
Direkt bezogen auf die Zeremonie der Auflegung von Asche als Zeichen der Buße zu Beginn der Fastenzeit sagte Leo, man könne darin „die Last einer brennenden Welt spüren, ganzer Städte, die vom Krieg zerstört wurden: die Asche des Völkerrechts und der Gerechtigkeit zwischen den Völkern, die Asche ganzer Ökosysteme und der Eintracht unter den Menschen, die Asche des kritischen Denkens und alter lokaler Wissensschätze, die Asche jenes Sinns für das Heilige, den jedes Geschöpf in sich trägt“.
„Um der Bekehrung willen unsere Sünden zu bekennen ist bereits Vorzeichen und Zeugnis der Auferstehung“, sagte Papst Leo schließlich. „Es bedeutet nämlich, nicht bei der Asche stehen zu bleiben, sondern uns wieder aufzurichten und wieder aufzubauen. Dann wird das österliche Triduum, das wir am Höhepunkt der Fastenzeit feiern, seine ganze Schönheit und Bedeutung entfalten. Dies wird geschehen, indem es uns durch die Buße in den Übergang vom Tod zum Leben und von der Ohnmacht zu den Möglichkeiten Gottes miteinbezieht.“