Bischof Feige in Hirtenbrief: „Besinnen wir uns auf unsere christlichen Werte“
Seinen Hirtenbrief zur Fastenzeit, der am kommenden Wochenende in allen Gottesdiensten der Diözese Magdeburg verlesen werden soll, hat Bischof Gerhard Feige mit dem Aufruf geschlossen: „Besinnen wir uns auf unsere christlichen Werte.“ Der Hirtenbrief wurde bereits am Dienstag auf der Internetseite des Bistums Magdeburg veröffentlicht.
Diese Besinnung auf die christlichen Werte bettete Feige in einen politischen und gesellschaftlichen Kontext ein. So forderte er: „Widersetzen wir uns jeglichem Extremismus und Populismus, allen nationalistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen. Treten wir auch weiterhin entschieden für die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen ein, für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Solidarität und Nächstenliebe, ein tolerantes und friedliches Miteinander.“
„Dabei – so meine ich – können die Prinzipien der katholischen Soziallehre als hilfreiche Orientierung dienen“, betonte er. „Möge das Bewusstsein dafür tiefer in uns wachsen – für unser eigenes Leben und für ein menschenfreundliches Miteinander.“
Feige verband seinen Hirtenbrief mit einer Verurteilung der AfD: „Nach wie vor sind Menschen vor Versuchungen nicht gefeit und daher verführ- und manipulierbar. Das hat sich während der Hitler-Diktatur und zu DDR-Zeiten gezeigt und trifft erschreckenderweise auch heute wieder zu. Nimmt man den Entwurf der AfD in Sachsen-Anhalt für ein mögliches Regierungsprogramm nach der Landtagswahl ernst, wäre es hier mit der freiheitlichen Demokratie und dem Pluralismus, der Religionsfreiheit, wie wir sie kennen, und der Toleranz vorbei, müssten wir uns wieder auf autoritäre Verhältnisse einstellen und neu lernen, was es für uns als Christen und Christinnen heißt, zusammen mit vielen anderen als Feinde betrachtet und diskriminiert zu werden.“
„Was bis vor kurzem undenkbar erschien, ist inzwischen zu einer möglichen Bedrohung geworden“, so der Bischof.
Der Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD betont im Entwurf zum Wahlprogramm, das im April verabschiedet werden soll: „Gerade weil wir um die Bedeutung des Christentums wissen, greifen wir die Kirchensteuerkirchen an, denn die großen Kirchen schaden dem Glauben.“
Die AfD in Sachsen-Anhalt stellt dabei klar: „Das Christentum ist nicht nur ein wesentlicher Teil unserer Europäischen Kultur, es bietet auch Halt im Glauben und jenseitige Orientierung. Wer sich zum Christentum und der christlichen Ethik bekennt, handelt nachhaltiger und leistet einen wertvollen Beitrag zu unserem Gemeinwesen. Dass wir die Privilegien der Kirchensteuerkirchen abschaffen wollen, bedeutet nicht, dass wir den christlichen Glauben ablehnen – im Gegenteil.“
Direkt auf den ersten Seiten des Wahlprogramms fordert die AfD eine „Willkommenskultur für Kinder“, etwa durch „ein Baby-Begrüßungsgeld in Höhe von 2.000 Euro für die ersten beiden Kinder und von 4.000 Euro für jedes weitere Kind“.
Zum Umgang mit Abtreibungen heißt es: „Bereits in der Schwangerenkonfliktberatung ist den Frauen ein gesondertes schriftliches Verzeichnis der in ihrem konkreten Fall möglichen organisatorischen und finanziellen Unterstützungsleistungen einschließlich der jeweiligen Anlaufstelle zu übergeben.“
Und weiter: „Wir halten an dem gesellschaftlichen Kompromiss fest, wonach die Menschenrechte, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit, auch für ungeborenes Leben gelten. Eine Regelung des Schwangerschaftsabbruchs außerhalb des Strafgesetzbuchs mit allen dazugehörigen politischen Implikationen lehnen wir ab. Gesetzesinitiativen auf Bundesebene werden wir im Rahmen unserer Einflussmöglichkeiten, beispielsweise im Bundesrat, entgegentreten.“
Das Programm spricht auch die künstliche Befruchtung an und fordert finanzielle Unterstützung für derartige Programme. Die katholische Kirche lehnt solche Maßnahmen ausdrücklich ab, weil sie „den Geschlechtsakt vom Zeugungsakt“ trennen. „Der Akt, der die Existenz des Kindes begründet, ist dann kein Akt mehr, bei dem sich zwei Personen einander hingeben“, heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK).
