Die Profanierung der Berliner Kirche St. Kamillus sowie der von den Kamillianern angestrebte Verkauf der Immobilie sorgen für erheblichen Unmut in der Gemeinde. Während das Erzbistum Berlin auf die pastorale Versorgung durch umliegende Standorte verweist, kritisieren eine Laieninitiative und der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) das intransparente Vorgehen sowie den Verlust eines strategisch wichtigen Kirchenstandorts.
Am 26. Dezember, dem Fest des heiligen Stephanus, wurde die Kirche St. Kamillus in Berlin-Charlottenburg durch ein Dekret von Erzbischof Heiner Koch profaniert. Die Messe mit anschließender Verlesung des Dekrets wurde von Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC geleitet.
Eigentümer der Immobilie ist die Deutsche Provinz der Kamillianer. Der Orden, dessen Mitgliederzahl stark rückläufig ist, strebt den Verkauf des Areals gegenüber dem Schloss Charlottenburg an.
Nach Angaben des Erzbistums Berlin war der Wunsch des Ordens, einen bestehenden Erbpachtvertrag aufzulösen, ausschlaggebend für die Entscheidung. Das Erzbistum habe diesem Wunsch zugestimmt.
Mit der Vermarktung wurde das Kölner Unternehmen ProSecur beauftragt, das bereits im Juni vergangenen Jahres fortgeschrittene Verhandlungen mit einem Kaufinteressenten bestätigte, wie CNA Deutsch berichtete.
Das Erzbistum Berlin betonte auf Anfrage von CNA Deutsch, dass die Schließung „schmerzlich“ sei. Allerdings gebe es „in der Pfarrei Märtyrer von Berlin drei Gottesdienststandorte: die Gedenkkirche für die Opfer des Nationalsozialismus, Maria Regina Martyrum, die Pfarrkirche Herz Jesu und die Kirche St. Thomas von Aquin, darüber hinaus zahlreiche lebendige Orte kirchlichen Lebens wie Schulen, Caritaseinrichtungen, etc.“
„Die Pfarrei Märtyrer ist damit trotz der Schließung hinreichend gut ausgestatte, um ein lebendiges Gemeindeleben auch künftig zu gewährleisten“, betonte Pressesprecher Stefan Förner.
Mitglieder der Gemeinde und die Initiative „Pro St. Kamillus“ werfen den Verantwortlichen jedoch mangelnde Transparenz vor. Jan-Philipp Görtz, Mit-Initiator der Initiative, kritisierte insbesondere den Zeitpunkt der Profanierung am zweiten Weihnachtstag als „unerklärlich“.
Die Aufgabe zentraler Orte sei wie ein „Verrat an den Menschen und an Christus“. Görtz betonte, die Kirche müsse physische Räume an strategischen Orten erhalten, statt sich auf veraltete Prognosen zu verlassen. Die Initiative hat mit dem „Eucharistischen Campus Erich Klausener“ ein Konzept vorgelegt, das den Erhalt des Sakralraums mit sozialer und wirtschaftlicher Nutzung verbinden soll.
Michael Schiessl, ebenfalls Mit-Initiator, erklärte, man wolle als Laien einen Beitrag leisten, um „SINN-volle“ Orte zu bewahren. Der derzeitige Zeitdruck im Verkaufsverfahren sei nicht konstruktiv.
Unterstützung erhält die Initiative vom BKU. Richard Schütze, der Vorsitzende der Diözesangruppe Berlin-Brandenburg, kritisierte eine Sparlogik: „Der Maßstab ist eben das Evangelium – keine Wirtschaftlichkeitsziele, keine Kirchensteuerschätzung und anschließende Sparprogramme.“
Schütze mahnte die Sozialbindung des kirchlichen Eigentums an und kritisierte, dass katholische Unternehmer mit Immobilienkompetenz nicht frühzeitig eingebunden worden seien.
Trotz der bereits vollzogenen Profanierung ist der Verkauf der Immobilie nach Angaben der Initiative bislang nicht abgeschlossen. Die im Komplex tätigen polnischen Kamillianer dürfen vorerst weiterhin dort wohnen.
Unterdessen hat eine Petition zum Erhalt des Standorts mehr als 500 Unterzeichner gefunden. Eine Presseanfrage von CNA Deutsch an die Deutsche Provinz der Kamillianer blieb bislang unbeantwortet.
