Bischof Overbeck: Militärseelsorge muss sich „der gegebenen Bedrohungslage anpassen“

Bischof Overbeck: Militärseelsorge muss sich „der gegebenen Bedrohungslage anpassen“

Dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zufolge muss die katholische Militärseelsorge „die Zeichen der Zeit erkennen und sich der gegebenen Bedrohungslage anpassen“. Overbeck, der als Bischof auch für die Bundeswehr zuständig ist, meldete sich in einem Beitrag für die Herder Korrespondenz (aktuelle Ausgabe) zu Wort.

„Der Militärseelsorge kommen im Fall der Landes- und Bündnisverteidigung sowie während politisch erklärter Krisenzeiten zwei Kernaufgaben zu“, erläuterte der Bischof. „Zum einen stellt sie ihre ethische Expertise der politischen und militärischen Führung des Bundesministeriums der Verteidigung sowie Kommandeurinnen und Kommandeuren auf den untergeordneten Führungsebenen in einer beratenden Funktion zur Verfügung. Zum anderen muss sie die erforderliche seelsorgliche Begleitung von Soldatinnen und Soldaten während ihrer Einsätze wie auch im Kontext ihrer medizinischen Versorgung gewährleisten.“

Beim zweiten Punkt gehe es „um die Begleitung von Einheiten im Kampf beziehungsweise im Einsatz sowie die Bereitstellung von Seelsorge für Verwundete und Sterbende.“ Dazu komme „die wichtige Aufgabe, für die Familien der kämpfenden Truppe und der Gefallenen seelsorgliche Begleitung sicherzustellen“.

Vor diesem Hintergrund „sollte die Militärseelsorge möglichst auf allen militärischen Ebenen eingebunden sein und in enger Abstimmung mit den Kommandeurinnen und Kommandeuren vor Ort handeln, um seelsorgliche Begleitung und ethische Beratung effektiv anbieten zu können“, forderte Overbeck. „Unser Ziel ist es, dass Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger möglichst flexibel auf die jeweiligen Anforderungen reagieren können, ohne ihre seelsorgliche Unabhängigkeit aufzugeben.“

Dazu brauche es eine „Anpassung der Ausbildung und des Trainings für die Militärseelsorge. Die Belastungen eines potenziellen Bündnisfalles an der NATO-Ostflanke werden andere sein als diejenigen, die sich den Militärseelsorgern in Afghanistan oder Mali stellten. Die erwartbaren Folgen eines bewaffneten Konflikts mit Russland, man denke nur an die Bilder der Zerstörung und des Todes, die uns täglich aus der Ukraine erreichen, würden sowohl quantitativ als auch qualitativ eine enorme Herausforderung für die Militärseelsorge darstellen.“

„Um den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung gerecht zu werden, ist eine gezielte und systematische Qualifizierung katholischer Militärseelsorgerinnen und -seelsorger auf diese Herausforderungen hin erforderlich“, argumentierte Overbeck. „Bereits in Friedenszeiten nehmen sie an militärischen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teil, um die unterschiedlichen Rahmenbedingungen des Soldatenberufs kennenzulernen. Insbesondere für Verwendungen auf der Ebene von militärischen Großverbänden sowie auf den Führungsebenen bedarf es spezifisch zugeschnittener Fortbildungen.“

Die Kirche könne, so zeigte sich der Bischof überzeugt, „ihre Rolle als glaubwürdige und kompetente Akteurin im Kontext der Landes- und Bündnisverteidigung“ nur „durch eine gezielte Qualifizierung und frühzeitige Einbindung in militärische Strukturen“ erfüllen.

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