Kurienerzbischof: Seliger Eduard Profittlich war Symbol für „Diplomatie und Heiligkeit“
Erzbischof Paul Richard Gallagher, der faktische Außenminister des Vatikans, hat am Samstag den deutschstämmigen seligen Eduard Profittlich SJ als Symbol für „Diplomatie und Heiligkeit“ und für „Dienst an der Wahrheit gegenüber jeder Unterdrückung“ gewürdigt.
Gallagher, der vatikanische Sekretär für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen, nahm am Samstag in Tallinn in Estland an einer internationalen Konferenz über den Märtyrer des sowjetischen Regimes teil.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Leben und Vermächtnis von Erzbischof Profittlich, der während der sowjetischen Besatzung Apostolischer Administrator in Estland war und 1942 im Gefängnis von Kirov unter falschen Spionagevorwürfen ermordet wurde.
Vor einem halben Jahr, am 6. September, wurde er in einer Messe seliggesprochen, die Kardinal Christoph Schönborn OP im Namen von Papst Leo XIV. auf dem zentralen Platz von Tallinn feierte. Diese Feier wurde zu einem Ereignis von nationaler Bedeutung, wie das vatikanische Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse erklärte.
Erzbischof Gallagher betonte, Profittlich werde aufgrund seiner Kohärenz zwischen Glauben und Dienst an der Menschheit als Leuchtturm angesehen, der in einer Zeit großer Schwierigkeiten Licht brachte: „Sein Opfer zeigt uns, dass Diplomatie, wie sie die Kirche versteht, und Seelsorge, obwohl sie in unterschiedlichen Bereichen tätig sind, eine gemeinsame Wurzel haben: den Dienst an der Wahrheit aus Liebe zu Gott und zur Menschheit, gegen jede Form der Unterdrückung.“
Trotz der Verfolgung wollte Profittlich während der sowjetischen Besatzung nicht aus Estland fliehen. „Seine Entscheidung zu bleiben war auch sein größter diplomatischer Akt“, erklärte Gallagher. Diese Entscheidung habe ihm, wie aus den Tagebüchern hervorgeht, „unglaubliches Glück“ und „ein tiefes Gefühl des Friedens“ beschert.
Profittlich sei mehr als ein Hirte gewesen, nämlich „ein wahrer Pontifex, ein außergewöhnlicher Brückenbauer und Vermittler“, erklärte Gallagher. Er sei in der Lage gewesen, menschliche und diplomatische Netzwerke zu knüpfen, welche die Würde eines ganzen Volkes bekräftigten.
Seine Mission hatte tiefgreifende politische Auswirkungen: „Er gab Estland eine moralische Stimme in einer Zeit, in der große totalitäre Ideologien versuchten, seine Identität zu unterdrücken.“
Gallagher betonte, Profittlich habe selbst während seiner Haftzeit – in der er brutalen Verhören und Folterungen ausgesetzt war – niemals zugelassen, „dass sein Mut in Hass umschlug“.
„Er blieb der höchsten Wahrheit treu: Liebe ist die einzige Kraft, die das Böse besiegen kann“, erinnerte Gallagher. Deshalb spreche sein Beispiel „heute, in einer Zeit der Konflikte und Bedrohungen, mit Dringlichkeit zu uns: In der Mission der Heiligen wie in der hohen Diplomatie ist die Wahrheit kein Accessoire, sondern die Seele des menschlichen Denkens und Handelns.“
Der Kurienerzbischof lud alle dazu ein, „Friedensstifter“ zu sein, die bereit sind zu bezeugen, dass „die Liebe Gottes die einzige Kraft ist, die Nationen aus der Asche des Hasses wiederaufbauen kann“.
Ebenso stellte er fest, dass die Menschen heute „tragische Zeiten erleben, in denen sich Europa mehr denn je bedroht fühlt und der Frieden durch den Krieg im leidgeprüften Land Ukraine verletzt ist“.
Er bezog sich damit auf die weltweite Kriegssituation, die Papst Franziskus oft als „Dritter Weltkrieg auf Raten“ bezeichnet hatte, und auf einen historischen Moment von außergewöhnlicher Brisanz für den Weltfrieden, der ständig von vielen Seiten bedroht ist. Er versicherte jedoch, dass Gott die Menschen einlade, „auf ihn zu vertrauen, damit das, was heute unmöglich erscheint – der Frieden – möglich wird“.
Gallagher lobte die Treue und die pastorale Arbeit der kleinen, aber widerstandsfähigen katholischen Kirche in Estland, die „großes Leid durchgemacht und die göttliche Barmherzigkeit erfahren hat, die die Erneuerung des Glaubens selbst dort ermöglichte, wo er am stärksten bekämpft wurde“.
„So wie Johannes Paul II. wenige Monate nach dem Fall der Berliner Mauer Prag besuchte und damit etwas erreichte, was nur wenige für möglich gehalten hätten, kann heute mit Gott das scheinbar Unmögliche Wirklichkeit werden. Wir müssen auf ihn vertrauen, dann kann auch der Frieden, der heute unerreichbar scheint, Wirklichkeit werden“, schloss Gallagher.
Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.
