Erzbischof Gössl: Fastenzeit will „zu neuer Beweglichkeit verhelfen“
Die Fastenzeit, so der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl, „will uns zu neuer Beweglichkeit verhelfen – geistig, geistlich und materiell“. In einem Hirtenbrief wandte sich Gössl am zweiten Fastensonntag an die Gläubigen seiner Erzdiözese.
„Durch bewussten Verzicht können wir erfahren, dass nicht die Steigerung von Besitz glücklich macht, sondern vielmehr das Teilen von Zeit, Geld und Möglichkeiten“, betonte Gössl. „Diese vierzig Tage wollen unser Leben wieder neu auf die Basis des Vertrauens stellen durch eine Stärkung der Gottesbeziehung im Gebet, durch den Empfang der Sakramente, insbesondere der Buße und der Eucharistie, und durch die Bereitschaft, sich zu versöhnen, wo immer das nötig ist.“
„Je stärker unser Leben in Gott verwurzelt ist, umso mehr sind wir in der Lage aufzubrechen, Vertrautes loszulassen und Neues zu entdecken“, fuhr er fort. „Wie Abram von Gott aus seinem vertrauten Leben herausgerufen wurde und sich aufmachte in ein Land der Verheißung, so sendet Gott auch heute Menschen in neue und vielleicht ungewohnte Herausforderungen.“
„Manchen macht das Angst“, räumte der Bamberger Erzbischof ein. „In einer Welt und in einer Kirche, in denen so viel Vertrautes sich auflöst und verloren geht, fühlen sich Menschen zunehmend verunsichert. Wer da verspricht, dass alles so bleibt wie gewohnt, der kann mit Zuspruch und mit Wählerstimmen rechnen, auch wenn jedem klar ist, dass es sich um leere Versprechungen handeln muss.“
„Doch in einer sich verändernden Welt braucht es auch die Bereitschaft, sich zu bewegen“, forderte Gössl. „Unser christlicher Glaube macht uns dazu Mut, weil er uns zusagt: Gott geht mit, und mit ihm und unter seinem Segen können wir auch heute Veränderungen gestalten und neue Wege und Zugänge zu den Menschen entdecken.“
An dieser Stelle ging er auf die nötigen strukturellen Veränderungen im Erzbistum Bamberg ein. Doch trotz der Unmöglichkeit, viele Dinge in der althergebrachten Fort weiterzuführen, könne „aus dieser schmerzhaften Notwendigkeit auch neue Beweglichkeit entstehen“, zeigte sich der Erzbischof überzeugt.
So könnten Menschen „entdecken, dass die persönliche Beziehung zum Herrn das tragende Fundament unseres Lebens als Kirche ist, nicht die Hütten, die wir bauen, nicht die Gemeindehäuser und noch nicht einmal unbedingt all die Kirchengebäude. Vielleicht lassen sich manche Menschen neu ansprechen für ein Leben in und mit der Kirche, ja vielleicht sogar für ein Leben als Priester, im Ordensstand oder in einem pastoralen Beruf, wenn sie spüren: Ich kann mich mit meinen Charismen und Fähigkeiten einbringen und muss nicht nur einfach ‚funktionieren‘ und verwalten.“
„Gerade als Christen brauchen wir nicht einzustimmen in das große Jammern über alles, was nicht mehr so glänzend aussieht wie früher“, betonte Gössl. „Wir dürfen vielmehr die feste Hoffnung verbreiten, dass der Herr uns alle miteinander in eine gute Zukunft führen will. Für diese Bewegung in die Zukunft gilt es, Menschen zu gewinnen, sie neu anzusprechen und sich mit ihnen zu vernetzen.“
Im Erzbistum Bamberg lebten zuletzt rund 575.000 Katholiken, von denen 42.000 durch den regelmäßigen Besuch der Sonntagsmesse ihren Glauben auch praktizieren. Verglichen mit dem Jahr 1999 ist die Zahl der Pfarreien mit etwa 350 fast konstant. Die Zahl der Katholiken aber lag damals, vor 27 Jahren, noch bei fast 800.000, wobei 17,9 Prozent zur regelmäßig Sonntagsmesse gingen. Das entspricht über 140.000 Kirchgängern bzw. praktizierenden Katholiken.
