Kardinal Kikuchi warnt vor „höflicher Verfolgung“ von Christen in Japan
Der Erzbischof von Tokio, Kardinal Tarcisio Isao Kikuchi SVD, hat die gesellschaftliche Situation für Christen in Japan als eine Form der „höflichen Verfolgung“ bezeichnet. In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenportal „Crux“ erklärte er, dass die Religion in der Öffentlichkeit kaum als moralische Autorität anerkannt werde.
Hintergrund seiner Äußerungen ist die Stellung der Kirche in der stark säkular geprägten japanischen Gesellschaft. Laut Kikuchi garantiere die japanische Verfassung nach dem Zweiten Weltkrieg streng genommen Religionsfreiheit und eine strikte Trennung von Staat und Religion.
Dies sei eine historische Reaktion auf die „negative Erfahrung der Vereinigung von Staats-Shinto und Regierung, die zu Verfolgung und ernsthaften Schwierigkeiten für Nicht-Shinto-Religionen, einschließlich der katholischen Kirche, führte“, erklärte der Kardinal.
Dennoch stehe die Kirche heute „vor einer herausfordernden Situation, die als eine Form der ‚höflichen Verfolgung‘ beschrieben werden könnte“. Das Prinzip der Trennung von Staat und Religion werde oft dahingehend missverstanden, „dass religiöse Angelegenheiten niemals im öffentlichen Raum auftauchen sollten“.
Sobald sich die Kirche zur Regierungspolitik äußere, werde sie kritisiert. Kikuchi begründete dies mit dem kulturellen Kontext. Er sagte: „Darüber hinaus legt die japanische Kultur großen Wert auf Konformität und soziale Harmonie.“
„Religion wird in diesem Land nicht als moralische Autorität anerkannt, und solange wir uns auf die Räumlichkeiten der Kirche beschränken, gelten wir als harmlos und in Ordnung“, fasste er zusammen.
Auch der sonntägliche Gottesdienstbesuch ist laut Kikuchi im japanischen Alltag oft erschwert, da Schulen und Gesellschaft den Sonntag nicht als strikten Ruhetag anerkennen.
„Katholiken in Japan finden es manchmal schwierig, sich auch nur sonntags regelmäßig zu versammeln“, erklärte der Erzbischof. Es sei dies keine „Verfolgung“, sondern geschehe aus dem Grund, dass „ein solch beständiges religiöses Engagement nicht leicht in das breitere kulturelle Verständnis von Religion passt“.
In seiner Funktion als Präsident von Caritas Internationalis unterstrich der Kardinal zudem die Bedeutung der katholischen Prägung bei weltweiten Hilfseinsätzen, auch wenn der Organisation nach Katastrophen manchmal geraten werde, diese nicht explizit zu zeigen, um Verdacht zu vermeiden.
Er stellte klar: „In Bezug auf die Caritas ist die Wahrung unserer katholischen Identität eine der höchsten Prioritäten in unserer Arbeit, auch wenn wir weiterhin aufmerksam für die lokalen Gegebenheiten bleiben.“ Dies betreffe ein Grundprinzip: „Unsere Aktivitäten müssen im katholischen Verständnis der Menschenwürde, der Heiligkeit des menschlichen Lebens und in ethischen Werten verwurzelt sein.“
Trotz der generellen Gleichgültigkeit gegenüber Religion in der Gesellschaft sieht der Erzbischof eine zentrale Rolle für die lokale Kirche, deren Geschichte bis ins Jahr 1549 zurückreicht. Japan ziehe weiterhin ausländische Arbeitskräfte sowie Studenten an und verfüge über wirtschaftliche Kapazitäten, um andere asiatische Länder zu unterstützen. Dies eröffne der Kirche Perspektiven für die künftige Seelsorge und Verkündigung auf dem Kontinent.
Der Erzbischof schloss mit dem Ausblick: „Zusammen mit dieser zunehmend multikulturellen jüngeren Generation in Japan hat die katholische Kirche in Japan die Kapazität, mit anderen in Asien zusammenzuarbeiten, um die Mission der Kirche voranzutreiben.“
