Predigten von Papst Benedikt XVI. sind für Erzbischof Gänswein „große Inspiration“
Erzbischof Georg Gänswein hat erklärt, die Predigten von Papst Benedikt XVI. seien für ihn eine „große Inspiration“. Der jetzige Apostolische Nuntius in Litauen, Estland und Lettland war lange Jahre Privatsekretär des deutschen Papstes – von dessen Kardinalszeit bis zum Tod des emeritierten Papstes am 31. Dezember 2022.
„Mir sind seine Predigten sehr wichtig, ich lese sie regelmäßig im Laufe des liturgischen Jahres, sie sind wie ein Vademecum für mein geistliches Leben“, sagte Gänswein dem Kölner Domradio am Sonntag. „Es ist für mich eine große Inspiration, Auslegungen von Bibeltexten mit dieser geistlichen Tiefe zu lesen. Das tut meinem geistlichen Leben gut, aber es inspiriert mich auch für meine eigene Predigttätigkeit.“
Vor wenigen Wochen war ein Band mit Predigten von Papst Benedikt veröffentlicht worden, die er im kleinen Kreis gehalten hatte – vor und nach seinem Rücktritt als Papst. „Es gibt einen zweiten Band zu Advent und Weihnachten, der im Herbst bei Herder erscheinen wird“, kündigte Gänswein an. „Und dann folgen noch zwei Bände mit Predigten zu den übrigen Sonntagen. Aber danach ist, was die Predigten von Benedikt betrifft, nichts mehr da. Dann ist die Schatzkammer leer.“
Die Predigten waren ohne das Wissen von Papst Benedikt aufgenommen worden, sagte Gänswein. Er selbst sei damals überzeugt gewesen: „Wenn wir das Geschenk haben, Benedikt in einem kleinen Kreis predigen zu hören, sollten wir das aufzeichnen, wofür auch immer. Das war 2005, im ersten Jahr seines Pontifikats, und ich wusste damals nicht, wofür diese Predigten eines Tages gut sein würden.“
Zur Predigtvorbereitung des Papstes erklärte Gänswein, er habe „immer eine Woche vor der Predigt, am Sonntagabend, den Text aus der Heiligen Schrift für den kommenden Sonntag gelesen und die Woche darüber meditiert. Grundlage war immer der griechische Urtext des Evangeliums.“
Die Ausgabe des Neuen Testaments, mit der Papst Benedikt arbeitete, „war wie ein Malbuch“, führte er aus: „Sehr viele Bleistift-Eintragungen, Hinweise auf Auslegungen bei den Kirchenvätern usw. Er hat regelmäßig die Evangelien-Kommentare von Augustinus, Hieronymus oder Thomas zu Rate gezogen.“
„Das Fundament war die Heilige Schrift, und danach hat er die Tradition der Kirche konsultiert, die in den Kirchenvätern zu Wort kam“, so Gänswein. „Aus dieser Zusammenschau entstand die Predigt, die er am Sonntag gehalten hat. Die Predigt hat er schriftlich vorbereitet. Er hat dann aber immer frei – ohne Manuskript – gepredigt.“
In den letzten Jahren seines Lebens musste der emeritierte Papst seine Predigttätigkeit einstellen, weil die Stimme versagte. Gänswein betonte: „Er hat sich in diese für ihn sehr bittere Erfahrung hineingefügt und sie angenommen. Man kann sich vorstellen, wie schwer es ihm fiel: Ein Mann des druckreifen Wortes, hat sich Gottes Fügung zu beugen. Und das tat er.“
Darin könne er „uns auch ein Vorbild sein“, zeigte sich der Nuntius in Litauen, Estland und Lettland überzeugt: „Es gibt viele Dinge, die wir anstreben, und nicht bekommen. Sich in der Einsicht zu üben, nachzugeben und sich dem Willen Gottes zu fügen, das ist etwas Wesentliches für das Leben.“
