Studiengruppe der Weltsynode schlägt vatikanische Behörde für digitale Mission vor

Studiengruppe der Weltsynode schlägt vatikanische Behörde für digitale Mission vor

Der Abschlussbericht der Studiengruppe der Weltsynode zum Thema „Mission im digitalen Umfeld“ schlägt die Einrichtung einer speziellen Behörde im Vatikan vor, die sich mit den theologischen, pastoralen und kirchenrechtlichen Herausforderungen befassen soll, die sich im Internet ergeben.

Es handelt sich bei der Studiengruppe um eine von zehn Gruppen, die Papst Franziskus 2024 am Ende der ersten Sitzung der Weltsynode zur Synodalität ins Leben gerufen hat, und zwar mit dem Auftrag, Fragen, die für die Mission der Kirche relevant sind, aus einer synodalen Perspektive zu vertiefen.

Zu den Empfehlungen gehört neben der Einrichtung einer „Päpstlichen Kommission für digitale Kultur und neue Technologien“ – oder einer entsprechenden Dienststelle oder Abteilung –, deren Aufgabe es wäre, neue Fragen im digitalen Bereich zu beobachten, auch die Erstellung von Dokumenten, Leitlinien und Handbüchern sowie die Entwicklung differenzierter Ausbildungsstrategien für Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien. Schließlich sollen noch die Bischofskonferenzen bei der Integration der digitalen Mission in ihre Pastoralpläne unterstützt werden.

Das Dokument betont, dass es sich um Vorschläge handelt, die geprüft und abgewogen werden müssen, und nicht um bereits getroffene Entscheidungen.

Ethische Risiken und Polarisierung

In jedem Fall warnt die Studiengruppe vor den ethischen Risiken, die mit digitalen Plattformen verbunden sind. Das Dokument betont, dass „viele“ Teilnehmer der internationalen Konsultation „den Missbrauch digitaler Plattformen zur Polarisierung, Manipulation oder Verbreitung falscher Informationen“ als eine bedeutende Herausforderung für das kirchliche Leben und die Evangelisierung bezeichneten.

Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass die Bischofskonferenzen und die digitalen Teams der Diözesen „die ethischen Risiken und die Möglichkeit einer Polarisierung erkennen“ müssen – eine Dynamik, die „oftmals in den sozialen Netzwerken selbst verankert zu sein scheint“.

Risiken von Missbrauch und doktrinären Verirrungen

Der Bericht weist darauf hin, dass sich alle, die sich an der digitalen Evangelisierung beteiligen, „jeglichen Missbrauchs von Autorität, doktrinären Verirrungen, Sensationslust und Manipulation bewusst sein müssen“.

Dem Text zufolge kann das digitale Umfeld verschiedene Dynamiken begünstigen, die ideologische Positionen verschärfen, komplexe Debatten vereinfachen und Konfrontationen fördern, welche die kirchliche Gemeinschaft schwächen.

Außerdem wird betont, die dominierenden digitalen Plattformen seien „nicht neutral“, da sie mit Algorithmen arbeiten, welche „die Verbreitung positiver Botschaften behindern“ und kontroverse oder spaltende Inhalte verstärken können.

Eine weitere Herausforderung ist der Missbrauch sozialer Netzwerke zur Polarisierung, Manipulation oder Verbreitung falscher Informationen, was viele Teilnehmer der Konsultation als besonders besorgniserregend bezeichneten.

Reflexion über Mission in der digitalen Kultur

Der Bericht befasst sich mit einer zentralen Frage, die bereits zuvor bei der Weltsynode aufgeworfen wurde: Wie kann die Mission der Kirche in einer zunehmend von der Digitalisierung geprägten Kultur gelebt werden? Auf der Grundlage einer umfassenden Konsultation, an der Seelsorger, Experten und kirchliche Einrichtungen aus allen Kontinenten teilnahmen, sammelte die Studiengruppe Erfahrungen, analysierte Herausforderungen und formulierte konkrete Empfehlungen.

Zu den Schlüsselthemen gehört die Notwendigkeit, die digitale Mission in die ordentlichen Strukturen der Kirche zu integrieren und zu vermeiden, dass sie als marginaler oder paralleler Bereich betrachtet wird. Hervorgehoben wird auch die Bedeutung einer Vertiefung des Begriffs der territorialen Jurisdiktion im Lichte der Online-Community sowie einer verbesserten Ausbildung von Seelsorgern und pastoralen Mitarbeitern in der digitalen Kultur.

Mögliche kirchenrechtliche Anpassungen

Einer der Punkte, der zu den meisten Überlegungen Anlass gibt, ist die mögliche Anpassung des Konzepts der kirchlichen Jurisdiktion, das traditionell an ein geografisches Gebiet gebunden ist.

Der Text regt dazu an, „mögliche kirchenrechtliche Anpassungen zu untersuchen, zu prüfen und anzuwenden“, um auf übergeordnete digitale Realitäten zu reagieren.

Der Bericht der Studiengruppe erkennt an, dass in Bezug auf die Zuständigkeit noch viele Fragen zu klären und Überlegungen anzustellen sind. Er schlägt vor, dass das Engagement der Kirche in der digitalen Kultur möglicherweise eine Form der nicht-territorialen Organisation erfordert, die durch pastorale Beziehungen auf der Grundlage von Begleitung gestaltet wird.

Außerdem werden die zuständigen vatikanischen Stellen aufgefordert, mögliche normative Anpassungen zu prüfen, um diesen neuen Realitäten angemessen Rechnung zu tragen.

Ausbildung und geistliche Begleitung

Der Bericht schlägt vor, je nach kirchlicher Rolle unterschiedliche Ausbildungsstrategien anzubieten, mit einer ganzheitlichen Vorbereitung, die in Theologie, Seelsorge, Kommunikation und digitaler Kultur verwurzelt ist, einschließlich Modellen zur „Ausbildung von Ausbildern“.

Ferner geht es darum, die Programme zur geistlichen Begleitung und Ausbildung für die sogenannten „digitalen Missionare“ zu verstärken, die auf Unterscheidung und Mission basieren, und stabile Mechanismen der geistlichen Leitung und pastoralen Begleitung zu fördern.

Darüber hinaus sollen digitale Sicherheit und Wohlbefinden sowie Medienkompetenz strukturell in die katholische Erziehung und die Seminarausbildung integriert werden.

Die Vorschläge, so betont das Dokument, sind lediglich Orientierungshilfen, die zur weiteren Prüfung und Beurteilung anregen sollen.

Im Hintergrund bleibt eine für die Zukunft entscheidende Frage: Welche Anpassungen erfordert das digitale Umfeld für ein Modell der kirchlichen Gerichtsbarkeit, das historisch gesehen auf territoriale Gegebenheiten ausgerichtet war, während sich heute ein Großteil der Beziehungen und Gemeinschaften über geografische Grenzen hinweg entwickelt?

Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

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