Internationale Theologische Kommission warnt vor Gefahren durch Künstliche Intelligenz
Die Internationale Theologische Kommission hat ein neues Dokument veröffentlicht, in dem sie argumentiert, das Leben des Menschen sei „eine Berufung“, aber gleichzeitig davor warnt, dass beispiellose wissenschaftliche und technologische Entwicklungen mit einem entsprechenden Wachstum an Verantwortung einhergehen müssen, damit der Fortschritt auf das Wohl des Menschen ausgerichtet ist.
Der Text mit dem Titel „Quo vadis, humanitas? Überlegungen zur christlichen Anthropologie angesichts einiger Szenarien zur Zukunft des Menschen“ wurde am Mittwoch veröffentlicht. Er stammt von der Internationalen Theologischen Kommission unter dem Vorsitz von Kardinal Víctor Manuel Fernández, dem Präfekten des vatikanischen Dikasteriums für die Glaubenslehre. Das Dokument wurde von Papst Leo XIV. genehmigt und liegt bislang nur in italienischer Sprache vor.
„In diesem Moment des 21. Jahrhunderts sieht sich die Menschheitsfamilie mit Fragen konfrontiert, die so radikal sind, dass sie sogar ihre Existenz, wie wir sie bisher kannten, bedrohen“, so das Dokument. Die Menschen seien heute Risiken ausgesetzt, „die zuvor unvorstellbar waren“.
Künstliche Intelligenz und der Mensch
In Bezug auf die Künstliche Intelligenz (KI) warnte die Kommission, dass Formen des Wissens und der Berechnung, die losgelöst sind von der verkörperten, situativen menschlichen Intelligenz – und von relationalem Wissen, das über Generationen hinweg durch Bildung weitergegeben wird –, zu einer Bedrohung für das wahre Wohl der Menschheit werden können.
Soziale Medien, Polarisierung und „digitale Religionen“
Mit Blick auf die sozialen Medien führte das Dokument aus, Online-Plattformen könnten „starke Polarisierungen“ zwischen Gruppen verstärken und den sozialen Austausch „tribalisieren“, wodurch die Gesellschaft in gleichgesinnte Meinungsblöcke fragmentiert werde, die durch sogenannte Likes geprägt sind. Die Kommission warnte davor, dass soziale Plattformen zu einem „Territorium der Einsamkeit, Manipulation, Ausbeutung und Gewalt“ werden könnten.
Das Dokument äußerte Bedenken hinsichtlich dessen, was als „gigantischer religiöser Marktplatz“ im Internet bezeichnet wurde, auf dem eine Vielzahl von „digitalen Religionen“ eine Spiritualität à la carte anbieten könnten, die eher von individuellen Interessen als von echten Bindungen oder Gemeinschaftszugehörigkeit geprägt ist. Es stellte auch den genuin kirchlichen Charakter einiger christlicher Kommunikation in sozialen Netzwerken in Frage, insbesondere wenn diese dazu genutzt werde, Polemiken anzuheizen, Spaltungen zu fördern oder den Ruf anderer zu schädigen.
„Der Mensch ist Berufung“
Die Kommission bekräftigte, Berufung sei nicht nur ein Thema für bestimmte Lebensbereiche in der Kirche, sondern auch in dem verwurzelt, was den Menschen selbst ausmacht. Sie fügte hinzu, dass im Westen oft eine „Kultur der Nicht-Berufung“ gefördert wird, welche die aktuellen anthropologischen Herausforderungen prägt – insbesondere in der Erziehung der Jugend.
Der Text erklärte, vielen jungen Menschen werde beigebracht, ihre Zukunft in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Berufswahl, der wirtschaftlichen Stabilität oder der Befriedigung bestimmter Bedürfnisse zu betrachten, ohne Offenheit für einen letzten Sinn und die grundlegenden Beziehungen, die Identität und Schicksal prägen.
Warnung in Bezug auf Tiere und Menschen
In einer abschließenden Warnung betonte die Kommission, dass Gesellschaften – insbesondere im Westen – es vermeiden sollten, einige Tiere, insbesondere Haustiere, „fast wie Personen“ zu behandeln, während sie gleichzeitig der gegenteiligen Versuchung widerstehen sollten, Menschen auf bloße Tiere zu reduzieren.
Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Stampa, der italienischen Partneragentur von CNA Deutsch.
