Wiener Erzbischof Grünwidl fordert Kirche, die „Aufbruch und Veränderungen“ ermöglicht
Josef Grünwidl, der neue Erzbischof von Wien, hat das Bild einer Kirche gezeichnet, in der „Aufbruch und Veränderungen“ möglich seien. Der Erzbischof predigte am Mittwochabend bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz (ÖBK) in der Steiermark, wie Kathpress berichtete.
Grünwidl zeigte sich fest überzeugt: „Was vom Heiligen Geist kommt, kann das Kirchenrecht nicht aufhalten.“ Dies gelte auch für die Rolle der Frau in der Kirche.
Über das Verhalten Jesu sagte er, Frauen seien „in seinem Gefolge“ gewesen, „eine öffentlich bekannte Sünderin durfte ihn berühren und nicht ein Apostel, sondern Maria von Magdala, eine Frau, war die erste Zeugin der Auferstehung“.
So habe er Vertrauen: „Unsere Kirche wird jesuanischer und evangeliumsgemäßer, wenn wir synodal – gemeinsam auf dem Weg – sind, mehr auf die Stimmen der Frauen hören und sie in Entscheidungsprozesse einbeziehen.“
„Wenn wir als Kirche auf die Forderungen der Bergpredigt hören und auf das Beispiel Jesu schauen, werden Aufbruch und Veränderungen möglich“, betonte der Wiener Erzbischof. „Wenn wir in der Fastenzeit Tag für Tag versuchen, nicht nur Dienst nach Vorschrift zu machen, sondern die Liebe zu leben, dann wird es Ostern in uns.“
Grünwidl war laut ORF ein „Mitglied der kritischen ‚Pfarrerinitiative‘“, die sich in einem „Aufruf zum Ungehorsam“ ausdrücklich „für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt“ aussprach. Auch die Zeitung „Der Standard“ schrieb: „Grünwidl war früher Mitglied der kritischen ‚Pfarrerinitiative‘ und ist offen für Reformen.“ Auf der offiziellen Mitgliederliste der Initiative wurde Grünwidl zuletzt nicht geführt, aber für eine Fernsehsendung noch im Jahr 2023 als deren „Unterstützer“ vorgestellt.
Zu Beginn seiner Zeit als Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien im Januar 2025 hatte sich Grünwidl zu seiner einstigen Mitgliedschaft bei der „Pfarrer-Initiative“ geäußert. Er sei dort ausgetreten, so Kathpress, „weil er zum einen den Eindruck hatte, dass Papst Franziskus diese Initiative mit seinen Vorschlägen und Ideen ‚sowieso rechts überholt‘ habe. Zum anderen habe für ihn das von der Pfarrerinitiative auf ihre Fahnen geheftete Stichwort Ungehorsam nicht mehr gepasst. Ihm sei ‚kritischer Gehorsam‘ wichtig, ‚ein offenes gegen den Bischof kann ich mir in der Kirche nicht vorstellen‘.“
Der neue Erzbischof von Wien zeige sich „offen für Reformen“, so der ORF im Oktober 2025. „Er betonte erst kürzlich, der Zölibat sei für ihn persönlich eine bewusst gewählte Lebensform, aber ‚keine Glaubensfrage‘ und sollte daher für Priester nicht zwingend vorausgesetzt werden.“
„Beim Thema Frauen in der Kirche ortete er ‚dringenden Klärungsbedarf‘“, hieß es damals weiter. „Das Frauendiakonat sollte weiter diskutiert werden, auch eine Aufnahme von Frauen ins Kardinalskollegium wäre für Grünwidl denkbar. Als Administrator nahm er drei Frauen ins diözesane Leitungsteam auf.“
