Erzbischof Burger wünscht Grünen-Politiker Özdemir „Gottes reichen Segen“ nach Wahlsieg
Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger hat Cem Özdemir nach dem Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg am Sonntag „für die anstehenden und herausfordernden Aufgaben alles erdenklich Gute sowie Gottes reichen Segen“ gewünscht. Die Grünen lagen am Ende knapp vor der CDU.
„Über die Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit und der sehr guten Kooperation, wie sie sich unter Ministerpräsident Kretschmann entwickelt hatte, würde ich mich sehr freuen“, betonte Burger in einem Schreiben an Özdemir.
Es wird angesichts des Wahlergebnisses wohl eine Fortsetzung der Regierungskoalition der letzten zehn Jahre geben: Schon seit 2016 regieren Grüne und CDU zusammen. War bislang Winfried Kretschmann von den Grünen der Ministerpräsident, so wird es nun Özdemir sein.
Die CDU könnte theoretisch an den Grünen vorbei mit der AfD eine Regierungskoalition schmieden. Dies hatte CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel aber bereits ausgeschlossen: „Für mich ist kein Amt der Welt so wichtig, dass ich mich mit Stimmen der AfD dort hineinwählen lasse.“
AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier hatte zuvor Gespräche vorgeschlagen: „Manuel Hagel und die CDU hätten jetzt alle Möglichkeiten zu sagen: Es ist Zeit für eine Veränderung und Schluss mit grüner Politik.“
Die Grünen waren mit 30,2 Prozent knapper Wahlsieger vor der CDU mit rund 29,7 Prozent. Im Landtag werden beide Parteien mit jeweils 56 Sitzen vertreten sein. Die AfD ist mit 18,8 Prozent stärkste Oppositionskraft, während die SPD mit nur 5,5 Prozent gerade noch den Einzug ins Parlament schaffte. Alle anderen Parteien – auch die bislang im Landtag vertretene FDP – scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.
Burger erklärte, er beobachte mit Sorge „gesellschaftliche und politische Strömungen, die an Einfluss gewinnen, indem sie das christliche Menschenbild und das fundamentale Gebot der Nächstenliebe offen oder unterschwellig infrage stellen“.
„Wo Ausgrenzung statt Dialog tritt, wo die unantastbare Würde jedes Einzelnen – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensgestaltung – relativiert wird und wo Egoismus über die Solidarität mit den Schwächsten gestellt wird, da ist unser Widerspruch als Christen gefordert“, so der Erzbischof, der offenbar auf die AfD anspielte, die Partei aber laut Berichterstattung der Erzdiözese Freiburg am Mittwoch nicht beim Namen nannte.
Die auf über 70 Prozent gestiegene Wahlbeteiligung erwähnte Burger ausdrücklich. Sie zeige, „dass die Menschen die Zukunft unseres Landes aktiv mitgestalten wollen. Das ist ein ermutigendes Signal für die Lebendigkeit unserer demokratischen Kultur.“
