Kirche im Libanon kommt wegen neuer Flüchtlingswelle an ihre Grenzen

Kirche im Libanon kommt wegen neuer Flüchtlingswelle an ihre Grenzen

Nach der erneuten Eskalation im Nahen Osten spitzt sich die Lage im Libanon dramatisch zu. Luftangriffe und die israelische Bodenoffensive haben Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben. In dieser Situation übernimmt die Kirche eine zentrale Rolle in der Versorgung der Bevölkerung. „Die Kirche ist im Libanon wirklich ein Fels in der Brandung“, sagte die Projektkoordinatorin des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) im Libanon, Marielle Boutros. Gleichzeitig warnte sie: „Dieser Krieg bringt uns an unsere Grenzen.“

Seit dem Zusammenbruch eines brüchigen Waffenstillstands Ende Februar kommt es zu schweren Angriffen, insbesondere auf Beirut und den Süden des Landes. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 678 Menschen getötet und 1774 verletzt, darunter zahlreiche Kinder.

Eine Million Menschen auf der Flucht

Die Kämpfe richten sich gegen die Hisbollah-Stellungen im Südlibanon, treffen aber auch die Zivilbevölkerung. Im Grenzgebiet zwischen Israel und Libanon befinden sich auch Ortschaften mit christlicher Bevölkerungsmehrheit.

Die erneute Eskalation hat eine neue Welle der Vertreibung ausgelöst. Schätzungen inländischer Beobachter zufolge sind rund eine Million Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht, der Libanon hat knapp 6 Millionen Einwohner. Wie Boutros erklärte, wurden mehr als 550 Notunterkünfte eingerichtet, viele davon in Schulen, in denen über 120.000 Menschen untergekommen sind. „Über Nacht begannen die Menschen, den Südlibanon zu verlassen, während Bomben einschlugen“, berichtete Boutros.

„Dieser Krieg wirft uns auf null zurück“

Kirchliche Einrichtungen haben in der aktuellen Krise ihre Türen einmal für Binnenvertriebene geöffnet – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit. Pfarreien, Klöster und soziale Einrichtungen leisten Nothilfe und bieten Unterkunft. „Die Mehrheit der Vertriebenen sind schiitische Muslime, aber wir helfen allen, die kommen“, betonte Boutros. Gleichzeitig stoße die Kirche an ihre Grenzen, da sie bereits Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und Waisenhäuser betreibe.

Nach Jahren wirtschaftlicher Krise trifft die neue Gewalt das Land besonders hart. „Jedes Mal, wenn wir glauben, dass sich das Leben normalisiert, geschieht etwas, das uns wieder an den Anfang zurückwirft“, sagte Boutros. „Dieser Krieg wirft uns sogar auf null zurück.“ Viele kirchliche Partner seien erschöpft, Ressourcen knapp, Perspektiven unsicher.

Mehr als materielle Hilfe

„Kirche in Not“ unterstützt in Kooperation mit anderen Hilfswerken die Menschen vor Ort mit Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser und Hygieneartikeln. Doch nach den Worten von Boutros geht es um mehr als humanitäre Hilfe: „Wenn die Kirche den Menschen nicht nahe bleibt, verlieren wir sie durch Auswanderung.“  

Die Kirche sei im Nahen Osten ein entscheidender Stabilitätsfaktor – auch über den Libanon hinaus. Ein Zusammenbruch kirchlicher Strukturen hätte weitreichende Folgen für die gesamte Region. „Die Kirche ist für Christen eine Festung“, sagte Boutros. „Sie hilft ihnen, in ihrer Heimat zu bleiben.“

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