„Eine der prägendsten Gestalten“ der Kirche in Ostdeutschland: Bischof Wanke beerdigt
In seiner Predigt bei der Beerdigung des einstigen Erfurter Bischofs Joachim Wanke hat Bischof Gerhard Feige von Magdeburg ihn als „eine der prägendsten Gestalten der katholischen Kirche in Ostdeutschland“ bezeichnet. Feige predigte am Samstag im Erfurter Dom, weil er Wanke seit rund 50 Jahren kannte und mit ihm zusammenarbeitete.
„Dass sein Herz ökumenisch schlug und sich unsere Gespräche auf gemeinsamen Fahrten zu Tagungen meistens um zwischen-kirchliche Themen drehten, hat mich auch dazu bewogen, ihn zusammen mit dem Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele, der damals Vorsitzender der Ökumenekommission war, zu bitten, Mitkonsekratoren bei meiner Bischofsweihe zu sein“, so Feige. „Zuletzt konnte ich mich im Dezember fast eine Stunde lang noch mit ihm angeregt und überaus herzlich über Gott und die Welt austauschen.“
„Er konnte auch schelmisch sein und herzhaft lachen“, erinnerte der Bischof von Magdeburg. „Und er hatte Humor. Wenn jemand ihn mit ‚Exzellenz‘ anredete, hat er immer zur Buße ein ‚Vater unser‘ aufgegeben. Selbst ernsthafte Befürchtungen formulierte er ansprechend, wie etwa: ‚Auch wenn das Bratwurstrost ein pastorales Hilfsmittel sein kann, so habe ich manchmal Angst, dass auf den Rosten mehr Rauch aufsteigt, als Weihrauch in den Kirchen.‘ Und eigene Predigten hören oder lesen zu müssen, empfand er als Fegefeuer.“
„Wie viele hat er aber durch seine Predigten auf den unzähligen Wallfahrten und auch sonst durch seine mutigen Stellungnahmen, klugen Vorträge und alltagstauglichen Schriften zu DDR-Zeiten und auch im vereinten Deutschland aufgerüttelt, zum Nachdenken gebracht und gestärkt“, wurde Feige wieder ernst. Er habe sich „mit all seinen Kräften bemüht, das Anliegen der Evangelisierung wachzuhalten und konkrete Anregungen dazu zu geben, schon zu DDR-Zeiten, dann aber auch im gesamtdeutschen Kontext. Oftmals sprach er dabei vom ‚Hebammendienst‘, den wir als Christen zu leisten hätten.“
Ab 1994 war Wanke der erste Bischof von Erfurt. Das Bistum war damals, einige Jahre nach dem Ende der DDR, von Papst Johannes Paul II. neu gegründet worden.
Der heilige Bonifatius hatte das Bistum im achten Jahrhundert ursprünglich gegründet. Aber schon wenige Jahre nach der Gründung wurde das Gebiet Teil der Diözese Mainz. In den letzten zwei Jahrhunderten gehörten die Gebiete der heutigen Diözese Erfurt teils zu Paderborn, teils zu Würzburg und teils zu Fulda. Zu DDR-Zeiten gab es aber schon eine gewisse Selbstverwaltung im Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen, für das Wanke selbst viele Jahre zuständig war.
Geboren am 4. Mai 1941 in Breslau, studierte Wanke nach dem Abitur ab 1960 am Priesterseminar Erfurt. Die Priesterweihe spendete ihm 1966 Weihbischof Hugo Aufderbeck. Einige Jahre wirkte Wanke als Seelsorger im Eichsfeld, dann kehrte er nach Erfurt zurück, um zu promovieren bzw. die Habilitation anzugehen. Auch am Priesterseminar war er tätig.
1980 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Koadjutor des Apostolischen Administrators von Erfurt-Meiningen. Zu dem Zeitpunkt hatte Aufderbeck dieses Amt inne. Die Bischofsweihe empfing Wanke vom Berliner Bischof Joachim Meisner, der später Kardinal und dann Erzbischof von Köln wurde.
Nach dem Krebstod Aufderbecks im Jahr 1981 war Wanke Apostolischer Administrator von Erfurt-Meiningen, bis das Bischöfliche Amt schließlich 1994 im neugegründeten Bistum Erfurt aufging. 2012 trat Wanke aus gesundheitlichen Gründen zurück.
