Erzbischof Gössl: Kirche, die Auftrag ernst nimmt, „muss politisch wirksam sein“
Erzbischof Herwig Gössl hat erklärt: „Eine Kirche, die ihren Auftrag ernst nimmt, muss politisch wirksam sein!“ Hingegen komme der Vorwurf, die Kirche mische sich zu sehr in die Tagespolitik ein, „meist dann, wenn man von der Kirche nicht das hört, was man gerne von ihr hören möchte“, so der Bamberger Erzbischof gegenüber katholisch.de am Dienstag.
Die Kirche solle aber keine „parteipolitische Festlegung“ treffen, mahnte Gössl: „Sie muss unabhängig von Parteien zu Themen Stellung beziehen und ihre Position verdeutlichen. Natürlich gibt es Überschneidungen – mal mit der einen, mal mit der anderen Partei.“
Gefragt, wo es eine besonders klare Stimme der Kirche brauche, verwies er auf das Thema „Krieg und Frieden“, aber auch auf „den Gedanken der Solidarität“.
„Unsere Gesellschaft ist stark individualisiert, und damit gerät das Eintreten füreinander in Gefahr“, erläuterte Gössl. „Wenn Solidarität schwindet, gerät auch der Sozialstaat unter Druck – mit Folgen, die letztlich auch die Demokratie erschüttern können. Hier muss Kirche klar und deutliche ihre Stimme erheben“, indem sie auch „Grundlagenarbeit“ leiste.
Gleichzeitig gelte es, jene „Themen wachzuhalten, die in der aktuell so aufgeheizten politischen Lage leicht in den Hintergrund geraten, etwa die Bewahrung der Schöpfung oder den Schutz ungeborenen Lebens“.
Unabhängig von der politischen und gesellschaftlichen Situation sprach der Erzbischof von Bamberg auch über die schrumpfenden Mitgliederzahlen der Kirche in Deutschland. So forderte er: „Wir sollten uns von der Vorstellung lösen, dass nur große Zahlen Wirksamkeit garantieren.“
Die Kirche könne weiterhin Menschen erreichen, zeigte sich Gössl überzeugt: „Viele Menschen können sich vielleicht nicht mit allem identifizieren, was Kirche ausmacht, aber mit einzelnen Bereichen schon – etwa im Umweltschutz, in der sozialen Arbeit oder in der Unterstützung von Geflüchteten. Dort kommen sie mit Kirche in Berührung und können sich ihr auch nahe fühlen.“
