Hamburger Eltern wenden sich wegen LGBT-Sexualkonzept in katholischen Schulen an Vatikan
Ein Elternnetzwerk an den katholischen Schulen des Erzbistums Hamburg hat sich im Konflikt um das neue Rahmenkonzept für sexuelle Bildung mit Kritik und Sorge an den Apostolischen Nuntius in Deutschland und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewandt.
In Briefen und einem Positionspapier, die CNA Deutsch vorliegen, forderte das „Elternnetzwerk Kinderschutz und Prävention“ die Rücknahme des Konzepts, das aus seiner Sicht eine „gezielte Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen“ betreibt.
„Herr Erzbischof Heße, wir lehnen Ihr Rahmenkonzept zur sexuellen Bildung aus verschiedenen Gründen entschieden ab. Nicht nur, weil es der Lehre der Kirche widerspricht, sondern weil unsere Kinder in schwerwiegender Weise dadurch geschädigt werden“, schrieb das Netzwerk am 25. Februar an den Hamburger Erzbischof Stefan Heße.
Hintergrund ist das im Mai 2025 veröffentlichte Dokument „Männlich, weiblich, divers: Rahmenkonzept für Sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“. Generalvikar Pater Sascha-Philipp Geißler SAC setzte es am 4. Juni 2025 in Kraft. Ab dem Schuljahr 2026/27 sollen alle katholischen Schulen des Erzbistums einen eigenen Lehrplan auf dieser Grundlage umsetzen.
In seinem Grußwort formulierte Geißler den Anspruch: „Wir treten ein für die Akzeptanz von Vielfalt hinsichtlich sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität.“ Das Konzept stützt sich wesentlich auf den Sexualwissenschaftler Uwe Sielert und versteht Sexualität als „allgemeine Lebensenergie“.
Es sieht eine fächerübergreifende Behandlung sexualpädagogischer Themen von der ersten Klasse bis zum Abitur vor, darunter sogenannte „geschlechtliche Vielfalt“ und verschiedene Beziehungsformen.
Auf Anfrage von CNA Deutsch erklärte Christoph Schommer, der Sprecher der Abteilung Schule und Hochschule des Erzbistums Hamburg, man sei „als Schulträger im regelmäßigen und intensiven Austausch mit Eltern sowie Elternvertretungen“. Bei der Inkraftsetzung habe das Konzept „große Zustimmung der Gesamtelternvertretung, der Schulleitungen sowie der Beauftragten für Schulpastoral“ erhalten.
„Aber selbstverständlich setzen wir uns auch mit kritischen Stimmen konstruktiv auseinander“, so Schommer. Über Gespräche mit einzelnen Eltern kommuniziere man aus Gründen der Vertraulichkeit nicht öffentlich.
Intern zeichnete Abteilungsleiter Christopher Haep jedoch ein anderes Bild. In einer E-Mail an das Sprecherteam der Gesamtelternvertretung vom 30. Juni 2025 sprach er von „einem weiteren wichtigen Schritt hin zur Stärkung von Akzeptanzförderung, Kinderschutz und Diversitätspädagogik“. Widerspruch in der Elternschaft sei „vereinzelt“ geblieben. Kritische E-Mails an die Bistumsleitung ließen sich „derzeit an zwei Händen abzählen“.
In derselben E-Mail verwies Haep auf WhatsApp-Gruppen „einer Schülermutter“ unter dem Titel „Katholische Eltern Hamburg“. Diese hätten das Logo von Totus Tuus verwendet, einer Gemeinschaft, der „nach schweren Vorwürfen geistlichen Missbrauchs, autoritärer Leitung und sektenähnlichen Strukturen vom Münsteraner Bischof Felix Genn die kirchliche Anerkennung entzogen wurde“. Vertreter des Elternnetzwerks wiesen jede Verbindung zu Totus Tuus zurück.
Haep verwies zudem auf eine Petition auf CitizenGO, „einer globalen und ultrakonservativen Web-Plattform einer spanischen Stiftung“, mit „aktuell mehr als 13.000 Unterzeichnern“.
In ihrem Brief an Erzbischof Heße kritisierten die Vertreter des Elternnetzwerks zudem, das Rahmenkonzept stütze sich auf „die irrige Lehre der Frühsexualisierung von Uwe Sielert, einem Schüler des pädokriminellen Vergewaltigers Helmut Kentler“.
Laut dem Gesprächsprotokoll der Elternvertreter, das sich auf ein Treffen im Februar 2026 mit Vertretern der Erzdiözese Hamburg bezieht, unterstützten sie „ausdrücklich“ die Entscheidung des Erzbistums, „pseudowissenschaftliche Quellen, die auf der kindeswohlgefährdenden Irrlehre von Uwe Sielert und Helmut Kentler basieren“, aus dem Konzept zu entfernen.
Die zwei Treffen zwischen Elternvertretern und dem Erzbistum – ein weiteres fand im Dezember 2025 statt – brachten keine Einigung. Haep erklärte laut Protokoll der Elternvertreter, das Rahmenkonzept sei gemäß den Vorgaben des DBK-Dokuments „Geschaffen, erlöst und geliebt“ verfasst worden.
„Leider wurde uns im zweiten Treffen deutlich gemacht, dass keine wirkliche Bereitschaft besteht, die problematischen Punkte des Rahmenkonzepts zu ändern“, schrieben die Eltern an Heße.
Am 27. Februar trafen sich dann zwei Vertreter des Netzwerks persönlich mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović, in der Nuntiatur in Berlin. Dabei übergaben sie Schreiben an mehrere Dikasterien der römischen Kurie, darunter das Dikasterium für die Glaubenslehre.
Am 9. März wandte sich das Netzwerk zudem an den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer SCJ, und forderte den „Rückzug und eine umfassende Bearbeitung“ sowohl der DBK-Handreichung als auch des Hamburger Rahmenkonzepts.
In dem im April 2024 veröffentlichten Dokument Dignitas infinita widmete sich das Dikasterium für die Glaubenslehre der Gender-Ideologie und verurteilte diese als Gefährdung der Menschenwürde. Unter Berufung auf Papst Franziskus hieß es dort, die Gender-Ideologie sei „sehr gefährlich“, weil sie „mit ihrem Anspruch, alle gleich zu machen, die Unterschiede auslöscht“.
