Fuldaer Regens Gärtner sieht „im Moment eine große Experimentierphase in allen Seminaren“
Der Fuldaer Regens Dirk Gärtner sieht „im Moment eine große Experimentierphase in allen Seminaren, denn es gibt kein Standardrezept dafür, wie man auf die Begebenheiten unserer Zeit am besten reagiert“. Gärtner, selbst seit 2005 Priester sowie seit 2020 Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz, sprach mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (aktuelle Ausgabe) über die Situation der Priesterausbildung in Deutschland.
Die Priesterausbildung befinde sich „insgesamt in einem großen Umbruch“, führte er aus. „Wir haben immer mehr Kandidaten, die keinen ‚klassischen Glaubensweg‘ hinter sich haben. Sie wurden oft nicht kirchlich sozialisiert, sind nicht kontinuierlich in den Glauben hineingewachsen. Häufig haben sie eine radikale Bekehrung hinter sich, sind ganz frisch und jung im Glauben und haben einen hohen Idealismus. Das setzt andere Dinge in der Priesterausbildung voraus.“
Eine Berufung bewähre sich „im Alltag“. Daher versuche man, vermehrt Praxisphasen in die Priesterausbildung zu integrieren: „Generell befürworte ich eine Erhöhung des Praxisanteils, damit die Kandidaten besser die pastorale Realität kennenlernen. Längere Phasen der Begegnung in der Praxis sorgen außerdem dafür, dass eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Realität stattfinden kann. Daher ist auch der Gedanke, die Priesterausbildung als duales Studium anzulegen, interessant und vielversprechend.“
Es sei wichtig, „dass es eine Priesterausbildung gibt, nicht nur eine Pfarrerausbildung“, betonte Gärtner, denn es seien „sicherlich nicht alle Kandidaten geeignet, hier als Pfarrer zu wirken“. Gärtner plädierte in diesem Sinne „für eine gewisse Diversität der priesterlichen Dienste“.
So fragte er: „Wenn sich ein Kandidat nicht in der Lage sieht, eine Großpfarrei zu managen, dafür aber das Charisma zu einem guten Beichtvater hat, ermöglichen wir es ihm dann, für diesen unmittelbaren Dienst Priester zu werden? Wenn jemand ein Charisma hat für junge Leute, geben wir ihm dann die Möglichkeit, eine Jugendarbeit aufzubauen? Oder bilden wir die Kandidaten nur für die Pfarrei aus?“
Gärtner verwies auf ein Prinzip, das er mit dem englischen Begriff „Spiritual Leadership“ zum Ausdruck brachte. Das bedeute, „innerlich zurückzutreten, um Christus Raum zu geben, und Prozesse zu begleiten, in denen Menschen selbst erkennen: Jetzt habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich Verantwortung für die Gemeinschaft der Glaubenden übernehmen möchte.“
Dies sei „ein langsamer Vorgang, der sich über Jahre vollzieht: Als geistlicher Leiter darf er keine Angst davor haben, wenn jemand in der Kraft des Glaubens Verantwortung übernimmt. Es geht darum, Respekt für das Wirken des Heiligen Geistes in den Anderen zu haben, es zu fördern und dabei zu helfen, dieses Wirken selbst zu entdecken. Hier haben wir noch viel zu lernen.“
In Deutschland werden immer weniger Männer zu Priestern geweiht. In den 27 Bistümern kam es 2025 nur zu 25 Priesterweihen. Im Jahr zuvor waren es 29. 2007 waren es zum letzten Mal mehr als 100, 1994 zum letzten Mal mehr als 200.
