Vatikan fordert von Stift Heiligenkreuz eine Reflexion der theologischen Ausrichtung
Die kanonische Visitation von Stift Heiligenkreuz im Wienerwald ist beendet. Der Vatikan fordert nun eine „Reflexion der theologischen und spirituellen Ausrichtung“ des Zisterzienserklosters, das mit eher konservativer Ausrichtung und vielen Berufungen eine Ausnahmeerscheinung der Kirche in Österreich darstellt.
Die Mönche teilten am Mittwoch mit: „Der Abtpräses der Österreichischen Zisterzienserkongregation, Abt Pius Maurer OCist, hat heute im Auftrag des Dikasteriums im Rahmen eines Konventkapitels von Heiligenkreuz den an die Mönche von Heiligenkreuz adressierten Brief des Dikasteriums vorgetragen.“
„In den nächsten Monaten und Jahren werden sich die Mönche des Stifts Heiligenkreuz mit den Anweisungen des Dikasteriums intensiv beschäftigen und damit an einer Vertiefung des Glaubenslebens und der Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft arbeiten“, kündigte die Gemeinschaft an. „Der Abtei sind durch ihr rasches Wachstum große innere strukturelle Herausforderungen entstanden, bei denen der Heilige Stuhl die Abtei Heiligenkreuz durch seine Anweisungen unterstützen will.“
Das vatikanische Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens forderte laut Stift Heiligenkreuz neben der „Reflexion der theologischen und spirituellen Ausrichtung“ auch eine „optimierte Kommunikationsfähigkeit der Gemeinschaft nach innen und außen“ sowie „strategische Überlegungen zur Zukunft des Stiftes und Priorisierung der Aufgaben“.
Außerdem war die Rede von einer „Vertiefung der Heranführung junger Menschen an das monastische Leben und das Priestertum“ und von einer „Schärfung von Identität und Selbstbild des Stiftes Heiligenkreuz“.
Konkreter wurden die Mönche in der offiziellen Mitteilung nicht. Abt Maximilian Heim OCist, seit 2011 für Stift Heiligenkreuz verantwortlich, gab zu Protokoll: „Die Gemeinschaft von Heiligenkreuz bedankt sich beim Dikasterium und den beiden Visitatoren für die wertschätzenden Gespräche im Lauf der Visitation und die guten Weisungen für die Zukunft.“
Im Juni 2025 hatte das Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens in einem Schreiben an Abt Maximilian und alle Mönche erklärt, man habe „einige Hinweise“ zu „Leitung und Verwaltung“ des Klosters erhalten.
In einem beigefügten Dekret hieß es: „Die Apostolischen Visitatoren sind beauftragt, den Leitungsstil der Abtei in seiner Gesamtheit sowie das persönliche Führungsverhalten des Abtes eingehend zu prüfen. Dabei richtet sich das Augenmerk insbesondere auf die Beachtung und konsequente Umsetzung des geltenden kirchlichen und ordenseigenen Rechts.“
„Zugleich wird geprüft, in welchem Maß geistliche Autorität in verantwortungsbewusstes und dienendes Handeln umgesetzt wird und wie innerhalb der Gemeinschaft mit Kritik, Anregungen und Rückmeldungen umgegangen wird, insbesondere im Hinblick auf Offenheit, Dialogfähigkeit und konstruktive Konfliktkultur“, so der Vatikan.
„Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie mit Vorwürfen von Missbrauch oder anderen schwerwiegenden Verfehlungen verfahren wird“, erklärte das Dikasterium im Dekret. „Die Visitatoren untersuchen, ob entsprechende Hinweise ernst genommen, ordnungsgemäß bearbeitet und geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Auch die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der internen Abläufe finden hierbei Beachtung.“
