„Theologisch hat sich auch einiges geändert“: Liturgiker über neues Benediktionale
Der Benediktiner Johannes Feierabend hat mit Blick auf das neue Benediktionale, welches das bisherige Buch von 1978 ablösen soll, betont: „Theologisch hat sich auch einiges geändert.“ Feierabend ist seit fast zwei Jahren für das Österreichische Liturgische Institut verantwortlich.
„Die Studienausgabe, die 1978 erschienen ist, ist noch vor dem offiziellen römischen Benediktionale erschienen: Die römische ‚Editio typica‘ stammt aus dem Jahr 1984“, erläuterte der Liturgiewissenschaftler gegenüber katholisch.de am Donnerstag. „Da ist es gut, dass wir jetzt endlich eine ordentliche Ausgabe des deutschsprachigen Benediktionale zustande bringen.“
„Seit 1978 hat sich viel verändert, in der Kirche, in der Gesellschaft“, führte er aus. „Natürlich wird auch die Sprache angepasst, genauso wie die Segensanlässe. Theologisch hat sich auch einiges geändert: Das Benediktionale wurde 1978 vor allem für Priester und Diakone gemacht. Heute sprechen aber wohl in der Mehrzahl nicht geweihte Seelsorger und Seelsorgerinnen Segen aus.“
Man wolle die Texte der Segnungen „nicht mehr auf Priester und Diakone hin formulieren, sondern allgemein von Leitung sprechen. Zu klären ist noch, ob wir ganz auf die Unterscheidung bei Gruß- und Entlassformeln verzichten können. Es ist natürlich nicht nur eine praktische, sondern vor allem eine theologische Frage, ob alle Getauften mit ‚Der Herr sei mit euch!‘ liturgisch begrüßen dürfen oder ob sie am Ende sagen ‚Der Herr segne euch!‘ oder ‚Der Herr segne uns!‘. Das Votum unserer Arbeitsgruppe ist klar, hier nicht nach Weihe zu unterscheiden, sondern von der Taufgnade und der Taufberufung her zu argumentieren.“
Mit Blick auf „die Segnung von liebenden Paaren“ – womit in der Regel homosexuelle Verbindungen sowie das außereheliche Zusammenleben von Mann und Frau gemeint sich, etwa von zivil geschiedenen und wiederverheirateten Personen – sagte Feierabend, man sei der Ansicht, „dass es auch hierfür ein Formular braucht“.
„Ein Segensformular muss so gestaltet werden, dass die Feier für die Mitfeiernden ansprechend ist“, argumentierte Feierabend. „Es darf nicht so sein, dass nur der Vorsteher oder die Vorsteherin ins Gebet kommt, sondern dass alle, die mitfeiern, durch diesen Segen in ihrer Beziehung durch Gott gestärkt werden.“
Gegenüber dem vorkonziliaren Rituale Romanum sei „viel mehr Segen bei Lebensumbrüchen gefragt. Früher hat man eher Gegenstände gesegnet, heute sind die Umbruchsituationen im Leben im Blick: Schulabschlüsse, berufliche Veränderungen, der Eintritt in die Pension oder ein Umzug ins Seniorenheim. Das haben sich auch die Menschen gewünscht, die wir im Vorfeld befragt haben.“
„Der Wandel von der Segnung von Gegenständen hin zu Lebensumständen hängt mit einer veränderten theologischen Sicht zusammen, die stärker den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, führte Feierabend diesbezüglich aus. „Heute wird betont, dass Gott vor allem Menschen segnet und nicht Dinge an sich.“
So brauche es auch ein Segensformular für Babys, „weil es immer häufiger so ist, dass Kinder erst sehr spät getauft werden, etwa weil die Eltern wollen, dass ihr Kind das schon selbst entscheiden kann. Für solche Situationen braucht es eine kirchliche Feier, auch weil es auf dem ‚freien Markt‘ Rituale zum Lebensbeginn gibt. Der Zuspruch zu Beginn des Lebens ist nichts, was die Kirche allein freien Ritualbegleitern überlassen darf.“
