Leo Nowak, einstiger Bischof von Magdeburg, mit 97 Jahren gestorben
Der einstige Bischof von Magdeburg, Leo Nowak, ist am Sonntag im Alter von 97 Jahren gestorben. Er war nach der deutschen Wiedervereinigung der erste Bischof der neuen Diözese Magdeburg, die allerdings bereits im Mittelalter als Erzbistum existierte und erst im Zusammenhang mit der protestantischen Reformation unterging.
Bischof Gerhard Feige, der jetzige Bischof von Magdeburg, erklärte am Sonntag: „Bischof Leo hat die ureigene Aufgabe der Kirche – Seelsorge, Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit – aus tiefstem Herzen authentisch gelebt. Er hatte immer ein offenes Ohr und interessierte sich für jede und jeden einzelnen Menschen, egal, ob Christ oder nicht. Wir werden ihn sehr vermissen.“
Auch Bischof Heiner Wilmer SCJ, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), meldete sich zu Wort: „Mit Bischof em. Nowak durften wir uns in der Deutschen Bischofskonferenz glücklich schätzen, um einen Zeitzeugen zu wissen, der die schwere Zeit in der DDR, die glückliche Wiedervereinigung und den Aufbau der kirchlichen Struktur im vereinten Deutschland miterlebt hat. Leo Nowak ist Zeit seines Lebens Seelsorger geblieben und war für die Menschen da – jene, die der Kirche nahestanden und auch solche, die auf der Suche waren“
Der DBK-Vorsitzende wurde politisch, indem er betonte, Nowak sei „nicht müde“ geworden, „vor jenen Kräften zu warnen, die heute die politisch rechten und linken Ränder radikalisieren: Er war ein Staatsbürger und Demokrat, dem die liebgewonnene Freiheit nach dem Kommunismus ein Herzensanliegen geworden ist. Menschenverachtende Tendenzen in der Politik kritisierte er ebenso deutlich wie jene, die dumpfe Parolen auf den Straßen brüllen und damit vorgeben, die Demokratie zu verteidigen.“
Geboren am 17. März 1929, wuchs Nowak in Magdeburg auf. Er machte nach der Schulzeit zunächst eine kaufmännische Ausbildung und danach das Abitur. Schließlich entschied er sich für den Priesterberuf. Auf das Studium in Paderborn und Erfurt folgte 1956 die Priesterweihe, also noch einige Jahre vor dem Mauerbau.
Auf viele Jahre in der Seelsorge folgten viele Jahre in der Verwaltung des ostdeutschen Teils der Erzdiözese Paderborn, zu der das Gebiet der heutigen Diözese Magdeburg damals gehörte. 1990 wurde Nowak auf Geheiß von Papst Johannes Paul II. zum Bischof geweiht und übernahm das Amt des Apostolischen Administrators in Magdeburg. Seit 1994 ist Magdeburg ein eigenständiges Bistum. Als Bischof von Magdeburg trat Nowak 2004 aus Altersgründen zurück, lebte danach also noch mehr als 20 Jahre im Ruhestand.
In einem Interview im Jahr 2024 sagte Nowak: „Glaubwürdigkeit zurückgewinnen ist das Gebot der Stunde. Dafür ist eine große Sensibilität für Echtheit und Vertrauen erforderlich. Manche Verhaltensweisen der Kirche sind für die Menschen von heute einfach nicht mehr nachzuvollziehen.“
„Die religiöse Sprache stößt vielfach auf Unverständnis“, führte er aus. „‚Pflichtzölibat‘ oder das Verbot der Weihe für Frauen zu Diakonen und Priestern stoßen auf Unverständnis, weil die Gleichberechtigung für Frauen in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit eine große Rolle spielt. Der sogenannte ‚synodale Weg‘ ist auch deshalb eine hoffnungsvolle Initiative. Wir brauchen die Erneuerung!“
