Erzbischof Grünwidl bestätigt Probleme rund um Zölibat bei Wiener Dompfarrer Faber
Der neue Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, hat erstmals öffentlich bestätigt, dass es rund um den Zölibat des Wiener Dompfarrers Toni Faber offenbar Probleme gibt. Im Interview mit der Tiroler Tageszeitung vom 5. April erklärte Grünwidl, Faber habe bei der priesterlichen Ehelosigkeit „eine Lösung gefunden, mit der ich mich schwertue. Wir sind im Gespräch, um eine Lösung zu finden.“
Grünwidl sagte nicht ausdrücklich, dass Faber den Zölibat bricht.
Zuvor würdigte er Fabers priesterliches Engagement: „Ich schätze Toni Faber sehr, wir sind gemeinsam zum Priester geweiht worden. Er ist sehr fleißig, ständig unterwegs und mit vielen Menschen im Gespräch. Er tauft, feiert Hochzeiten und begleitet Menschen in Krankheiten und bei Todesfällen.“
Faber, der als „Society-Pfarrer“ über Wien hinaus bekannt ist, erscheint regelmäßig bei Wiener Gesellschaftsveranstaltungen in Begleitung einer Frau. Auf Anfrage, ob sie seine Lebensgefährtin sei, antwortete Faber laut dem Nachrichtenportal Heute: „Ich tituliere keine Frau als meine Lebensgefährtin, sondern ich bin sehr froh, dass ich Natalie bei offiziellen Anlässen an meiner Seite habe. Sie als gute Freundin weiß immer, dass ich für sie einstehe und sie für mich.“
Grünwidl betonte, er halte den Zölibat für eine wertvolle Lebensform. „Ich bin davon überzeugt, dass der Zölibat eine tolle Lebensform ist. Ich lebe selbst seit fast 40 Jahren so“, sagte er. Gleichzeitig sprach er sich für eine offene theologische Diskussion aus: „Meine Frage lautet, ob zölibatäres Leben immer eine Voraussetzung sein muss, um Priester sein zu können. Bei unseren orthodoxen und evangelischen Schwesterkirchen ist das anders.“
Vom Priestermangel als Argument für eine Abschaffung des verpflichtenden Zölibats zeigte sich der Erzbischof wenig überzeugt. „Ein Abgehen vom Zölibat oder die Frauenfrage werden nicht dazu führen, dass die Kirche wieder explodiert und wächst und wieder die Massen begeistert“, sagte er.
Dennoch würde er eine Neubewertung begrüßen: „Ich wäre glücklicher, wenn man über diese Frage nachdenkt und dann sagt, wer sich für das zölibatäre Leben berufen fühlt, soll das so leben – aber dass es auch die Möglichkeit gibt, mit Familie Priester zu sein.“
Grünwidl hatte die Erzdiözese Wien bereits ein Jahr lang als Administrator geführt, bevor ihn Papst Leo XIV. im Oktober 2025 zum Erzbischof ernannte. Seine Bischofsweihe empfing er am 24. Januar durch Kardinal Christoph Schönborn OP, der die Erzdiözese zuvor rund 30 Jahre lang geleitet hatte.
Der Pflichtzölibat der lateinischen Kirche gründet in der Nachfolge Christi, der selbst unverheiratet lebte. Er ermöglicht dem Priester über die Angleichung an Christus hinaus, seiner Gemeinde ungeteilt zur Verfügung zu stehen.
Als eschatologisches Zeichen verweist er darauf, dass in der vollendeten Gottesgemeinschaft nicht geheiratet wird (vgl. Mt 22,30). Paul VI. bezeichnete den Zölibat in Sacerdotalis caelibatus von 1967 als „vollkommene und großzügige Hingabe an das Geheimnis Christi“. Verheiratete Priester in den katholischen Ostkirchen und bei Konvertiten stellen eine historisch begründete Ausnahme dar.
